Das Walsh Protokoll

Ich bin nun die erste und vorerst einzige Therapeutin in Deutschland, die offiziell nach dem Walsh Protokoll therapiert. Dieses Protokoll ermittelt und behandelt epigenetische Störungen. Im Unterschied zu genetischen Störungen (was wirklich nur sehr wenige Störungen sind, z.B. Down Syndrom), sind hier die Gene völlig in Ordnung, diese werden jedoch falsch ausgelesen.

Jede Zelle trägt DNA in sich, welches Enzymen als Anleitung dient Eiweiße herzustellen. Diese werden wiederum für den Aufbau jeglichen Gewebes benötigt, dazu zählen auch Neurotransmitter. Bei epigenetischen Störungen lesen diese Enzyme die Gene nicht optimal aus. Vielleicht ist es sogar so, dass die Gene bestimmte Bereiche ihrer Chromosomen verbergen oder übermäßig anbieten. Dies führt dann u.a. zur Unter- oder Übermethylierung. Methylierung ist ein Prozess, der in jeder Zelle des Körpers stattfindet, siehe Wikipedia. Doch auch andere Störungen sind denkbar. In einigen Fällen führten epigenetische Veränderungen bei den Vorfahren oder im eigenen Leben (meist im Mutterleib) zu einem um ein vielfaches erhöhte Bedürfnis an gewissen Nährstoffen, während andere Nährstoffe wiederum nicht vertragen werden.

Am besten ist das Walsh Protokoll bei Imbalancen der Neurotransmitter erforscht, die dann zu psychischen Erkrankungen führen können. Diesen Zusammenhang erforscht Dr. William J. Walsh seit 30 Jahren und hat auch Datenbanken und Studien darüber angefertigt. Allerdings macht es nicht nur bei psychischen Problemen Sinn auf epigenetische Störungen zu testen. Denn viele körperliche Probleme gehen ebenfalls auf eine epigenetische Störung zurück. Hierzu gibt es einfach noch nicht so viele Forschungen.

Ich verstehe den Auftrag meiner therapeutischen Tätigkeit als Ganzheitlich. Ich unterscheide nicht zwischen Körper und Psyche. Mit dem Walsh Protokoll habe ich nun ein weiteres Puzzlestein auf dem Weg zur Gesundheit zur Verfügung. Auch dies ist natürlich keine Wunderpille. Dr. Walsh sagt selber, dass bei psychischen Erkrankungen psychotherapeutische Maßnahmen sehr wichtig seien, wie auch die Lebensführung und Ernährung. Doch ist es ihm gelungen, teilweise auch Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen (Depression, Schizophrenie, bipolare Störung, Ängste etc.) ein Leben ganz oder teilweise frei von Medikamenten zu ermöglichen.

Diese epigenetischen Störungen kommen häufiger vor als man denkt. Während zwar nur 30% der Normalbevölkerung z.B. abnormale Methylierer sind (die restlichen 70% sind einfach normale Methylierer), häufen sich diese natürlich in den therapeutischen Praxen. Probleme mit der Kupferverarbeitung (was nicht mit Überschuss gleich zu setzen ist und eine andere epigenetische Störung bedeutet), haben in meiner Praxis sehr viele.

Anamnestisch lassen sich einige Merkmale dieser Störungen in der Patientengeschichte ermitteln, wobei bereits eine Übereinstimmung von 30% der Merkmale einen guten Hinweis auf das Vorliegen der Störung geben kann (aber natürlich auch nicht muss, und auch die psychiatrischen Symptome sind natürlich eher selten):

Untermethylierung:

Zwanghaftes Verhalten
Perfektionismus
Heuschnupfen
Niedrige Schmerzschwelle
Ritualistisches Verhalten
Starker Wille
Konkurrenzverhalten in Gruppenaktivitäten
Ruhig nach außen, innen angespannt
Häufige Kopfschmerzen
Eine Familiengeschichte oder eigenes „over achievement“
Wahnvorstellungen
Hohe Eigenmotivation in der Schule
Schlechte Konzentration
Sozialer Rückzug
Suchtverhalten
Ängste
Gute Verträglichkeit von Antihistaminika
Hohe „Körperfeuchtigkeit“ (Tränen, Speichelfluss, etc.)
Gute Verträglichkeit von Antidepressiva (Serotoninwiederaufnahmehemmer)
Sehr hohe Libido
Asperger oder Autismus Diagnose (auch in der Familie)
Schwierigkeiten Muskeln aufzubauen
Unverträglichkeit von Folsäure
Schlechte Verträglichkeit von Beruhigungsmitteln wie Valium
Neurotransmitter niedrig: Serotonin und Dopamin

Übermethylierung

Nervosität oder Panikneigung
Hyperaktivität (auch nur in der Kindheit)
Geringe Libido
Körper „birnenförmig“
Tendenz zur Gewichtszunahme
Unruhige Beine, Tendenz zu zappeln oder zu schreiten
Post Natale Depression oder Psychose
Unverträglichkeit von Serotoninwiederaufnahmehemmern
Trockene Augen und Mund
Gefühl Menschen denken schlecht über einen
In der Schule eher unmotiviert
Hohe Schmerzschwelle
Diagnose Schizophrenie oder Paranoia (auch nur in der Familie)
Depression
Schlafschwierigkeiten
Schmerzen im Oberkörper, Nacken, Schulter
Übermäßige Körperbehaarung, Hirsutismus
Nahrungsmittelallergien/Intoleranzen
Empfindlichkeit auf Umweltgifte
Künstlerische oder musikalische Begabung
Unverträglichkeit von Kupfer/Kupferüberschuss
Wiederkehrende Ekzeme
Selbstverletzendes Verhalten
Obsessives Verhalten ohne zwanghaftes Verhalten
Abwesenheit von Heuschnupfen
Guter Muskelaufbau
Sensibilität auf Umweltgifte/Chemikalien
Gute Verträglichkeit von Beruhigungsmitteln wie Valium
Unverträglichkeit von Östrogenen (eigenen und fremden, wie z.B. Pille oder IVF), Neigung zur Östrogendominanz
Neurotransmitter hoch: Dopamin, Serotonin
Unverträglichkeit von Sam-e oder Methionin

Sowohl Unter- als auch Übermethylierer können zu Depressionen neigen. Hier kommt die biochemische Individualität ins Spiel. Nicht jeder Depressive braucht Serotonin. Ein Übermethylierer kann dadurch eine Verschlimmerung seines Zustandes erleben, der bis zur Suizidalität gehen kann.

HPU

HPU (früher KPU) ist vielen bereits ein Begriff. Der Unterschied in der Behandlung von Dr. Walsh ist die Gabe von wesentlich höheren Dosierungen als z.B. von Keac (Dr. Kamsteeg, dem europäischen HPU Pabst) empfohlen. Hier gibt es auch noch weitere Symptome, doch die Folgenden haben sich als am zuverlässigsten entpuppt. Ich habe HPU bislang über die HMA mit behandelt, doch es stellt sich nun heraus, dass eine Nachtestung deswegen sinnvoll ist, damit man die Dosierung an Nahrungsergänzung notfalls anpassen kann. Diese ist höchst individuell.

Geringe Stressbelastbarkeit
Ängstlichkeit (auch Zukunfts- oder Existenzängste)
Empfindlichkeit gegenüber Licht
Morgenübelkeit (auch in der Schwangerschaft)
Abneigung gegen das Frühstücken
Sehr trockene Haut
Blässe, kann nicht in der Sonne bräunen
Ärger, Wut oder Reizbarkeit (mit der Unfähigkeit gelegentliche Explosionen zurück zu halten)
Unfähigkeit das eigene Potential auszuschöpfen, „Underachiever“
Kann sich nicht oder kaum an Träume erinnern
Auto-immune Störungen
Weiße Flecken auf den Nägeln
Verzögertes Wachstum (Körperlänge, bei Männern unter Umständen auch Genitalien)
Dünne Augenbrauen
Neigung zu Dehnungsstreifen
Heftige Depression
Kreist um negative Gedanken, davon besessen
Verzögerte Pubertät
Hydroxy-Hämopyrrol-Pyridoxal-5-Phosphat-Zink-Chelat (HPL) im Urin
Dunkles oder Malvenfarbenes Urin
Abnormales EKG
Erhöhter oxidativer Stress
Schlechtes Kurzzeitgedächtnis, kann teilweise am Ende der Seite nicht sagen, was am Anfang gelesen wurde
Empfindlichkeit auf laute Geräusche
Vorliebe für salziges oder scharfes Essen
Abnormale Fettverteilung
Zierliche Gesichtsstruktur
Extreme Stimmungsschwankungen
Schwierigkeiten Lesen zu lernen
Extreme innere Anspannung
Häufige Infekte
Frühzeitiges Ergrauen der Haare
Kann schlecht Muskeln aufbauen
Eventuell Probleme mit dem Testosteronhaushalt
„Fruchtiger“ Atem oder Körpergeruch
Schmerzen in der Gegend der Milz
Histrionisches Verhalten (Drama, theatralisch)
Gelenkschmerzen
Schlechte Wundheilung
Psoriasis
Neigung abends spät ins Bett zu gehen
Amenorrhö
Neurotransmitter niedrig: Serotonin, Dopamin, GABA, NMDA, evtl. hoch: Adrenalin
Chronischer Mangel an Vitamin B6 und Zink, in einigen Fällen auch Mangan

Kupfer Überschuss (chronisch oder akut)

Hyperaktivität
Kann sein Potenzial nicht ausschöpfen
Empfindliche Haut (raues Gewebe, Schilder in Kleidung werden nicht vertragen)
Intoleranz von Östrogenen, Östrogendominanz
Verschlechterung, Anfang der Beschwerden in der Pubertät
Weiße Flecken auf den Nägeln
Unverträglichkeit von „billigen“ Metallen, z.B. Nickelschmuck
Emotionale Zusammenbrüche, häufiger Ärger
Tinnitus, Ohrgeräusche
Unverträglichkeit von künstlichen Nahrungsmittelfarbstoffen, Meerestieren und anderen stark kupferhaltigen Nahrungsmitteln. Schokolade ist hoch kupferhaltig und wird oft von kupfervergifteten Menschen verlangt. Einige Menschen mit Kupfervergiftung haben auch eine Abneigung gegen Schokolade.
Große Ängstlichkeit
Schlechtes Immunsystem
Schlafprobleme
Schlechte Konzentration und Fokus
Postnatale Depression bei Frauen
Neurotransmitter hoch: Adrenalin, Norepinephrin, niedrig: Dopamin

Zinkmangel (chronisch oder akut)

Probleme das Temperament zu kontrollieren, Wutausbrüche
Starke emotionale Reizbarkeit
Abneigung gegen das Frühstücken
Vorliebe für salzige oder scharfe Nahrung
Verzögertes Wachstum (bei Männern auch der Genitalien)
Häufige Infekte
Verzögerte Pubertät
Hohes Maß an oxidativem Stress
Schlechte Wundheilung
Akne
Vorzeitiges Ergrauen der Haare
Weiße Flecken auf den Fingernägeln
Nahrungsmittelunverträglichkeiten

HPU, Zinkmangel und Kupferüberschuss haben einiges gemeinsam, da Zinkmangel Teil der HPU Störung ist. Zink und Kupfer sind Gegenspieler. Daher hat ein Zinkmangel oft auch einen Kupferüberschuss zur Folge.

Störung im Metallothionein Stoffwechsel

Metallothionein (MT) wirkt unter anderem als Antioxidanz und ist im Grunde wichtiger als Glutathion. Geht dem Körper das Glutathion aus, sollte MT einspringen. Bei vielen Menschen (besonders Autisten) funktionieren beide Systeme nicht. Bei Untermethylierern liegt oft auch eine Störung des Glutathionhaushaltes vor. MT stellen quasi ein Netz her, was den Körper vor eindringenden schädlichen Einflüssen schützt, dazu gehört auch die Abwehr (z.B. im Darm) und der Abtransport von Schwermetallen. Störungen im MT Haushalt können ebenfalls zu psychischen Erkrankungen durch Toxizität führen. Auch Autismus steht mit einem fehlerhaften MT System in Verbindung. Es gibt anfängliche Forschungen, die eine solche Störung auch in Verbindung mit Alzheimer setzen, sowie anderen degenerativen Erkrankungen.

Mögliche Symptome:

Störungen in der frühen Gehirnentwicklung
Mangel an Antioxidantien
Störungen in der Entgiftung von Quecksilber und anderen Schwermetallen
Gesteigerte Entzündlichkeit nach Unfällen oder Erkrankungen
Geschwächte Blut-Hirn oder Intestinalschranke (Leaky Gut)
Fehlentwicklungen und Schwäche des Immunsystems
Fehlerhafter Zinktransport im Körper
Regulierung von Kupfer und Zink im Blut
Verhinderung von Hefeüberwuchs im Darm
Fehlerhafte Regulierung des pH Wertes im Magen
Fehlerhafte Regulierung des Geschmacksempfindens auf der Zunge
Zerstörung der Enzyme welche Gluten und Kasein verdauen
Mangelhafte Signalwirkung von Zink im Gehirn
Mangelnde Regulation von Tumor unterdrückenden Genen
Mangelnde Regulation des Transkription Faktors (DNA)

Manchmal liegt hinter Störungen im Kupfer/Zink Haushalt also auch eine MT Störung.

Es wäre sinnvoll alle diese Störungen bereits im Kindesalter festzustellen, was aber leider nicht gemacht wird. Dadurch könnte viel Leid verhindert werden. In manchen Fällen sind die Auswirkungen mit zunehmendem Alter nicht mehr rückgängig zu machen. Die Gehirnentwicklung z.B. bei Autisten verläuft abnormal weiter, sollte die Untermethylierung nicht korrigiert werden. Das heißt nicht, dass man als Erwachsener keine Autisten mehr behandeln sollten. Die Chancen auf eine Verbesserung des Zustandes nehmen jedoch ab. Eine Störung von Zink, Kupfer und/oder HPU ist weit verbreitet. Bei Männern „entscheidet“ sich der Körper dann oft zwischen Längenwachstum und Genitalien. Immer häufiger begegnen mir in der Praxis Minderwuchs bei Männern oder Hypogonadismus=unterentwickelte Genitalien (der schon bei moderatem Zinkmangel eintreten kann).

Hinweis: Es gibt Kollegen, die Methylierungsstörungen durch genetische Tests ermitteln. Bei diesen wird ermittelt, ob das MTHFR Gen mutiert ist. Sollte dies der Fall sein, wird eine Untermethylierung angenommen. Dr. Walsh hingegen geht davon aus, dass Methylierungsstörungen im Ergebnis nicht nur von diesem Gen abhängen. Er testet daher das Blut um den Ist-Zustand der Störung zu messen, nicht nur das Potential dazu, was durch eine Mutierung durch das MTHFR Gen gegeben sein mag. Ich habe über viele Jahre das Thema „Methylierung“ in der naturheilkundlichen und funktional-medizinischen Szene der USA verfolgt. Ich habe mich lange nicht näher damit beschäftigt, weil mich die Ergebnisse nicht überzeugt haben (da können Patientenforen und Blogs echt gute Infos liefern). Ich weiß zwar schon länger von Dr. Walsh, doch dieser hat erst recht kürzlich sein Buch verfasst und ein offizielles Training aus seiner Methode gemacht. Im Ergebnis heißt das also, dass ich von der Testung von Methylierungsstörungen durch Gentests nicht überzeugt bin.

Näheres dazu hier (auf Englisch):

https://www.youtube.com/watch?v=_ljuIdqEa84

Auch ein Test der Neurotransmitter, z.B. im Urin, lässt laut Dr. Walsh keine Rückschlüsse auf den Methylierungsstatus zu. Denn solche Tests geben lediglich den Status der Neurotransmitter im Darm wieder, nicht den Status der Neurotransmitter im Gehirn. Die Therapie nach Dr. Walsh erfolgt auch nicht mit Vorstufen der Neurotransmitter, da das Problem viel tiefer, nämlich auf epigenetischer Ebene, angesiedelt ist. Solche Störungen wirken sich auch, aber nicht ausschließlich, auf die Neurotransmitter aus. Eine Einwirkung auf die Neurotransmitter durch Vorstufen ist demgemäß nur eine Symptombehandlung.

Wer mehr zu dem Thema Epigenetik und Nährstoffe wissen möchte, der gehe auf die Seite des Walsh Instituts

https://www.walshinstitute.org/

oder lese Dr. Walshs Buch (welches bereits auf Deutsch) vorliegt:Psychische Erkrankungen anders behandeln: Gezielte Therapie mit Mikronährstoffen – natürlich und nebenwirkungsfrei.

 

Quelle Bild: Christoph Bock, Max Planck Institute for Informatics – Own work, CC BY-SA 3.0, Wikipedia