„Stress“, Hormone und Gesundheit

Stress ist nicht was Sie denken!

Stress ist keine “Lifestyle” Erscheinung oder ein rein psychisches Phänomen. Stress hat konkrete Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele.

Im Idealfall ist unser  Stoffwechsel auf die Heilung, den Aufbau und das Wachstum sowie die Regeneration des Organismus ausgerichtet, kurz gesagt, auf das Leben und Lebendigkeit.

Unser Organismus muss jedoch sekündlich mit von innen und außen kommenden Reizen umgeben. Das gilt für jegliche Sinneseindrücke, Gedanken, Gefühle sowie für Nahrung und eindringende Keime. Aus biochemischer Sicht ist es dabei zunächst einmal egal, ob es sich um einen positiven oder negativen Reiz handelt.  Diese „Reize“ sind biochemisch gesehen Stressoren:

Innere Stressoren:

  • Hunger, Durst
  • Hitze
  • Nährstoffmängel
  • Gifte
  • Hormonschwankungen
  • Blutzuckerschwankungen
  • Schlafmangel
  • Psychischer/mentaler Stress
  • Schwermetalle
  • etc.

Äußere Stressoren:

  • Hitze, Kälte, Klima insgesamt
  • Licht, Dunkelheit
  • Lärm
  • Elektromagnetische Felder
  • Handystrahlung, W-Lan
  • Sonnenstürme
  • Umweltverschmutzung
  • etc.

Hormone regulieren das innere Gleichgewicht

Die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Kortison sorgen dafür, dass diese ständige Anpassungsleistung außerhalb unseres Bewusstseins stattfindet, da wir ansonsten nicht lebensfähig wären. Unser Organismus ist also darauf ausgerichtet ein bestimmtes Ausmaß solcher Stressoren zu verarbeiten, ohne dabei den oben beschriebenen „Aufbausstoffwechsel“ zu verändern.

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Stressoren sind dabei ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung unseres gesamten Organismus. Letztendlich löst eine biochemische Stressreaktion beispielsweise die Pubertät aus, sodass die Geschlechtsorgane entwickelt werden können. Es sind ebenso Stressoren, die uns dazu bewegen neue Dinge zu lernen. Kinder hätten keinen Anreiz laufen zu lernen, wenn der Wunsch danach nichts in ihnen auslösen würde.

Je mehr Stressoren der Körper verarbeiten muss, desto mehr steigt aber auch die Konzentration der Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Kortison im Blut. Der Körper verlässt nun den „Aufbaustoffwechsel“, der von der Schilddrüse angetrieben wird, zugunsten des „Stressstoffwechsels“.

Stress dient kurzfristig dem Überleben

Kurzfristig bietet die Stressreaktion im Sinne dieses „Adaptationssyndroms“ einen Überlebensvorteil, weil große Kraftreserven mobilisiert werden, damit wir kämpfen oder fliehen können (“fight or flight” Reaktion). In diesem Modus werden Nährstoffe schnell und in hohem Maße mobilisiert, der Körper bedient sich dafür auch an Geweben, die zunächst für das Überleben zweitrangig sind (Haut, Haar, Zähne, Knochen). Das Ziel des Organismus ist nun das Überleben der wichtigsten Organe und Körperfunktionen.

Folie1Am Anfang dieser Stressreaktion fühlt man sich oft sogar sehr wohl und krafterfüllt, weil die Stresshormone so lange wie möglich die Funktionsfähigkeit des Körpers erhalten wollen. Eine solche Reaktion erklärt beispielsweise, warum man kaum müde wird, wenn man frisch verliebt ist oder den Reiz von Risikosportarten, genauso wie einen Energieschub beim Fasten.

Steigt der Stresspegel im Organismus jedoch noch weiter an, gerät dieser in einen körperlichen oder psychischen Schockzustand. Hier ist das Ziel letztendlich nur noch die Konservierung von Energie.

Ist der Organismus im „Dauerstress“, kehrt sich also der Überlebensvorteil wieder um, weil der Körper einerseits seine Ressourcen verschwendet, andererseits seine Regeneration und sein Wachstum vernachlässigt oder, noch schlimmer, sogar handlungsunfähig wird.

Chronischer Stress führt zu Abbauprozessen, Alter und Tod

Diese Abbauprozesse werden zusätzlich dadurch begünstigt, dass die auf Wachstum ausgerichteten Hormone wie die Schilddrüsenhormone, Progesteron, DHEA, HGH und Pregnenolon u.a. vermindert ausgeschüttet werden.

Man kann damit sagen, dass die Stresshormone Gegenspieler unserer Aufbauhormone sind.

Ein andauernder „Stressmodus“ des Körpers führt somit dazu, dass wir wortwörtlich auf Sparflamme leben, weil das Überleben und nicht das Leben im Vordergrund steht. Dieser Stressmodus führt längerfristig zu körperlichen Mängeln, die auch die Entstehung von Krankheiten und psychischen Verstimmungen begünstigen (Symptome eines gestörten Hormonsystems).

Unsere moderne Gesellschaft mit ihren hohen Anforderungen und einer Vielfalt von Reizen begünstigt den Zustand des „Dauerstresses“.  Der bewusste Umgang mit und die aktive Ausschaltung von Stressoren sind damit der erste Schritt zu einer Wiederherstellung des „Aufbaustoffwechsels“. Gleichzeitig muss man dem Organismus natürlich auch die richtigen „Bausteine“ zum Wiederaufbau bieten, indem man in etwa Nährstoffdefizite ausgleicht.

Lesen Sie zu diesem Thema mehr dazu hier.

Quelle Titelbild: „Hair pulling stress“ by stuartpilbrow, Wikipedia