Hormone sind „nur“ Botenstoffe…

Das Hormonsystem therapiert man  am besten, indem man es nicht therapiert. Zumindest nicht direkt.

Das ergibt sich aus dem Aufbau des Hormonsystems selber. Hormone sind Botenstoffe. Mehr können sie nicht, mehr wollen sie aber auch nicht.

Wenn Sie denken, Sie könnten Ihr hormonelles Gleichgewicht wieder herstellen, indem Sie die Hormone behandeln, ist es in etwa so als würden Sie den DHL Boten für den Inhalt Ihrer Pakete verantwortlich machen. Der DHL Bote überbringt Ihnen das Paket, der Inhalt hat mit ihm aber nichts zu tun.

Das heißt Hormone kommunizieren etwas, was eigentlich woanders stattfindet. Ist der Magen nach einer Mahlzeit voll, senkt sich das Hungerhormon Ghrelin, dafür werden die Verdauungshormone Leptin und Orexin u.a. verstärkt ausgeschüttet. Die Verdauung selber findet jedoch im Magen und Darm statt, nicht durch die Hormone selber.

Ähnliches gilt für Schilddrüse und Nebennieren. Sie „erzählen“ den einzelnen Zellen im Körper, wie sie mit Energie umgehen sollen. Soll Energie in die Zelle? Soll Energie als Speicher angelegt werden und wenn ja, in welcher Form (Fett, Zucker)? Wie viel Energie soll überhaupt verbraucht werden und welche Körperfunktionen sollen mehr oder weniger Energie erhalten? Die Geschlechtshormone reagieren nun wieder auf viel oder wenig Energie. Wird ihnen viel Energie zur Verfügung gestellt (durch die Schilddrüse), ist Fortpflanzung angesagt. Östrogen und Progesteron sind in einer idealen Ratio für die Fortpflanzung und es gibt eben keine Östrogendominanz.

Doch die Energie selber wird nicht von den Hormonen produziert, sondern von den Mitochondrien als Organe der Zellen (mehr dazu hier). Diese wiederum reagieren zwar auch auf hormonelle Informationen, aber eben nicht nur. Denn auch andere Substanzen können Informationen übertragen. Das mag zwar überraschen, aber in gewisser Weise überträgt die Nahrung die wir essen Informationen. Der Zucker in dieser Nahrung überträgt die Information eines Energiepotentials, die dort vorhandenen Mineralien z.B. erzählen der Leber als Schwefel, dass sie sich reinigen muss und das Magnesium erzählt dem Nervensystem, dass es sich mal entspannen kann. Damit werden täglich Zucker, Eiweiß und Fette sowie Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine und noch viele andere Substanzen an die Zelle heran getragen. Diese kann die Zelle als Baustoffe für neue Aminosäuren nutzen, aus der wieder neue Zellen, Hormone und andere Körpersubstanzen werden können, indem sie unsere Gene aus dem DNA ausliest (welches der physische Aufbewahrungsort unserer Blaupause ist).

Die Zelle reagiert aber nicht nur auf das, was an sie heran getragen wird, sondern auch auf das, was nicht an sie heran getragen wird, sprich, auf Mängel. Sie reagiert ebenfalls auf Stoffe, die eigentlich nicht in den menschlichen Körper gehören wie Gifte oder Schwermetalle. Die Zelle reagiert, indem sie sowohl die Energieproduktion als auch die Produktion neuer Aminosäuren hoch fahren kann (bei einer guten Versorgungslage) oder verlangsamen kann (bei einer schlechten Versorgungslage). Ausschlaggebend ist hier immer die Versorgungslage der Zelle. Die Hormone kommunizieren nur die gute Versorgungslage oder Engpässe an andere Zellen.

Was sagt uns das jetzt in Bezug auf eine Behandlung von Hormonstörungen? Wir müssen die Versorgungslage der Zellen verändern, damit die Hormone Überfluss kommunizieren.

Wir können zwar die Hormone als solches ersetzen. Damit behandeln wir aber die darunter liegende Störung auf Zellebene nicht. Das wäre in etwa so als würde man nach dem obigen Beispiel der Verdauungsorgane Leptin und Orexin ersetzen anstatt einfach nur etwas zu essen. Selbstverständlich sind Wissenschaftler schon längst im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Übergewichtes auf solche Ideen gekommen, doch kann das die Lösung sein?

Gibt man also einem Menschen mit Progesteronmangel Progesteron, so teilt man allen Zellen mit: „Hey, Fortpflanzung ist jetzt o.k. Wir können den Körper auf eine Schwangerschaft vorbereiten…“. Doch was ist, wenn sinnbildlich die Vorratsschränke lehr sind, der Dreck in den Ecken klebt und der Körper für irgendwelche aus dem Ruder gelaufenen Prozesse auch noch übermäßig viel Energie verbraucht?

Was ist, wenn man dem Körper Schilddrüsenhormone gibt und damit allen Zellen mitteilt: „Hey, feuert mal den Grundumsatz hoch. Ist genügend Energie da“. Doch die Zellen sind zu diesem Zeitpunkt so unterversorgt dass Mitochondriopathien nur noch eine Energieproduktion außerhalb der Zelle, nämlich im Zellplasma, zulassen?

Was ist wenn man dem Körper Kortisol gibt und damit allen Zellen sagt: „Hey, wir haben hier keine Gefahrenlage. Alles ist gut.“ Doch vor lauter Glukosemangel verdaut der Körper sich im Grunde schon längst selber indem er seine Eiweiße abbaut um daraus neue Glukose herzustellen?

Die Wahrheit ist, dass der Körper sich nicht überlisten lässt, wenn er noch von anderer Stelle her signalisiert bekommt, dass Zellenergie gerade nicht ausreichend vorhanden ist.

Die Konsequenz der „Substitutionstherapie“ wird dann entweder sein, dass sie entweder nicht wirkt, indem der Körper in etwa aus dem meist substituierten L-Thyroxin, was eine inaktivere Form von Schilddrüsenhormon darstellt, nicht das erwünschte aktivere T3 herstellt, sondern reverses T3, welches die Rezeptoren für T3 besetzt. Progesteron wird unter Umständen kurzerhand in Östrogen verwandelt, was dem Körper (nun wieder in der Dominanz zum Progesteron) sagt: „Nee, Fortpflanzung doch nicht. Ich habe keine Ahnung wer hier diese Fehlinformation verbreitet hat…schaut euch doch mal um. Null Zucker in den Zellen. Sie sind schon ganz resistent gegen unseren Kumpel, das Insulin…“.

Damit hängt der Erfolg jeder Hormonsubstitutionstherapie von der Gesundheit der Zellen ab (mehr dazu hier). Doch sind diese gesund, erübrigt sich auch die Hormonsubstitution. Denn dann stellt der Körper von sich aus die zur guten Zellversorgung passenden Botenstoffe her, solange es keine weiteren Faktoren gibt, die das Hormonsystem von außerhalb der Zellen beeinflussen.

Auf Englisch wird gerne der Ausdruck „Don’t shoot the messenger“ verwendet, was auf Deutsch in etwa heißt, man solle nicht den Überbringer schlechter Nachrichten umbringen, sondern den dafür Verantwortlichen. Und schon der Grieche Sophocles sagt in seiner Antigone in der Antike: „Keiner mag einen Boten der schlechte Nachrichten bringt“. Wie wahr. Aber machen wir den Boten nicht für etwas verantwortlich, wofür er nichts kann!

Jetzt sollte also klar sein, warum die erfolgreichste und beste Hormonbehandlung eigentlich keine ist. Man muss die Ursache unter anderem auf Zellebene suchen, also ein „Stockwerk tiefer“, im Stoffwechsel. Denn was bewirkt der Zellnotstand im System? Ganz einfach: Stress!

Quelle Titelbild: Tokyoship – Own work, WTFPL, Wikipedia