Entgiftungs- und Entsäurungskuren beruhigen das Gewissen, bringen aber meist wenig

Viele Patienten kommen mit dem Wunsch zu mir zu entgiften und zu entsäuern. Doch kaum einer weiß, was das wirklich bedeutet.

Und um es vorwegzunehmen: Entsäurungs- und Entgiftungskuren sind auch keine geheiminsvollen Wundermittel, die magisch zur Gesundheit führen, wie manche Aussagen darüber in Büchern und im Internet vermuten lassen. Sie sind mittelfristig nutzlos und kurzfristig auch einmal gefährlich, besonders wenn es um die Ausleitung von Schwermetallen oder um Rosskuren wie gewisse Leberreinigungen geht.

Das heißt nicht, dass Patienten auf ihren Giften und Säuren sitzen bleiben sollen, doch die Therapie dieses Themas muss letztendlich anders laufen als die meisten Patienten sich das vorstellen, wenn sie mittel- bis langfristig einen Nutzen daraus ziehen wollen.

Zunächst sollte verstanden werden, was Säuren und Gifte überhaupt sind.

Gift ist per Definition ein Stoff, der Lebewesen über ihre Stoffwechselvorgänge, durch Eindringen in den Organismus ab einer bestimmten, geringen Dosis einen Schaden zufügen kann. Dazu zählen natürliche und künstliche Substanzen. Auch Lebensmittel und Genussmittel enthalten Gifte.

Beispiele:

  • Alkohol
  • Drogen („Rauschgift“)
  • Z.b. Alkaloide in Lebensmitteln, enthalten in Nachtschattengewächsen wie Kartoffel, Tomate, Chilli, Paprika, Ashwaghanda, Goji Beere
  • Schimmeltoxine
  • Nikotin (auch ein Alkaloid)
  • Pestizide
  • Mutierte Vitamine wie Tretinoin oder andere vom Vitamin A abgeleitete Derivate die für die Aknekontrolle verwendet werden
  • Auch Östrogene (natürliche und künstliche) sind ab einem bestimmten Punkt abtreibend, sprich giftig für das Leben
  • Schwermetalle, dazu zählen Amalgamplomben, Kupferverhütungsmethoden etc.
  • Chemotherapie
  • Viele Medikamente
  • Alle krebserregenden Substanzen

Wie nehmen wir Gifte auf?

  • Lunge: Atemluft, Zigaretten, rauchbare Drogen
  • Haut: Kosmetika, Hautkontakt mit Giften
  • Oral (Magen und Darm): Nahrung, Medikamente, Drogen
  • Parenteral (direkt in die Vene): Chemotherapie, Medikamente, Drogen

Säuren sind im engeren Sinne alle chemischen Verbindungen, die in der Lage sind, Protonen an einen Reaktionspartner zu übertragen. Säuren und Basen regeln den pH Wert im Körper. Ein gesunder Stoffwechsel hat einen pH Wert im Blut von 7,35 bis 7,45. Bereits ein Überschuss an Basen (Alkalose) der zu eine pH Wert von 7,7 führt, ist tödlich. Doch wenn Patienten von Übersäuerung sprechen, meinen sie nicht den pH Wert des Blutes. Diesen hält der Körper auch sehr lange aufrecht. Entgleisungen des pH Wertes im Blut sind in der Regel Notfälle und müssen im Krankenhaus versorgt werden. Mit Übersäuerung ist häufig ein saurer Urin gemeint. Andere meinen damit eine Übersäuerung des Gewebes. Wichtig zu wissen ist, dass ein saurer Urin nicht unbedingt mit einer Übersäuerung im Gewebe gleichzusetzen ist. Viele Menschen haben zwar sauren Urin, hingegen ein viel zu basisches Gewebe! Das ist genauso ungesund wie ein zu saures Gewebe. Denn Säuren sind wichtige Energielieferanten auf Zellebene. Die Energiefabrikanten der Zelle, die Mitochondrien, brauchen Säuren um Energie im Zitratzyklus herzustellen (der Name leitet sich von der Zitronensäure ab). Gesundheit herrscht dann, wenn Säuren und Basen im richtigen Verhältnis zueinander stehen und wenn diese dann noch an ihrem angestammten Platz im Körper verweilen. Viele Menschen haben zwar einen basischen Magen und Dickdarm, doch damit ist man auch nicht gesund. Magen und Dickdarm müssen sauer sein, der Dünndarm jedoch basisch.

Der Körper stellt von sich aus Säuren und Basen her.

Beispiele für Säuren:

  • Laktat (=linksdrehende Milchsäure), welches durch muskuläre Beanspruchung produziert wird
  • Harnsäure (Urat), entsteht durch den Abbau von Purinsäuren, die in den Zellkernen vorhanden ist als Teil des DNA
  • Wasserstoffperoxid, welcher bei zahlreichen biochemischen Prozessen entsteht und im Übermaß Haut und Haare weiß werden lässt, z.B. bei Vitiligo oder „grauen“ Haaren.
  • Ketonkörper, die der Körper durch Umwandlung von Fetten anstatt Glukose (Zucker) als Energiequelle verwendet
  • Magensäure

Beispiele für Basen:

  • Ammoniak, wirkt auf die Säureregulation des Blutes ein
  • Hydrogenphosphat

Auch Mineralien und Spurenelemente wirken basisch oder sauer:

Sauer:

  • Phosphor
  • Schwefel
  • Fluor
  • Jod
  • Silizium

Basisch:

  • Kalzium
  • Magnesium
  • Kalium
  • Eisen
  • Natrium

Viele Patienten gehen in Übereinstimmung mit Behauptungen in der Naturheilkunde und im Internet davon aus, dass viele ihrer Probleme durch Gifte und Säuren entstehen.

Mythos Entsäurungskur

Der Übersäuerung werden u.a. folgende Symptome beigemessen:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Haar- und Nagelveränderungen
  • Verminderte Stressresistenz
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Konzentrationsstörungen

Diese Symptome mit einer Säureproblematik zu erklären ist aber eine sehr grobe Vereinfachung der biologischen und biochemischen Tatsachen. Hier wird, wie so oft, nicht nur symptomatisch, statt ursächlich geschaut und dann finden auch noch Zuordnungen statt, die in dieser Form einfach falsch sind.

Die Ausgangslage aller, wirklich aller metabolischer Prozesse ist die Energieproduktion auf Zellebene. Ohne Energie läuft der ganze Stoffwechsel nicht. Damit meine ich nicht die Fettverbrennung (die läuft dann entweder schneller oder langsamer), sondern den Stoffwechsel. Stoffwechsel ist die Summer aller Vorgänge im Körper: Verdauung, Entgiftungskapazität durch Leber, Niere, Haut, Hormonproduktion, Auf- und Abbauprozesse insgesamt, einfach alles was im Körper passiert. Gibt es zu wenig Energie auf Zellebene, verlangsamt sich der Stoffwechsel langfristig. Dadurch wird die verbliebene Energie in überlebenswichtige Systeme gesteckt. Andere Systeme gehen jedoch leer aus. Gesteuert wird diese Energieverteilung über die Hormone (mehr dazu hier). Die Nebennieren sind dafür verantwortlich die Energie in die lebenswichtigen Systeme zu schleusen. Doch je länger der Energiemangel anhält, desto weniger können auch überlebenswichtige Systeme aufrecht erhalten werden. Das System fängt an zusammen zu brechen, der Energiemangel, der vorher schon da war, wird nun durch die Nebennierenschwäche offenkundig. Dadurch erklären sich nun auch obige Symptome:

  • Müdigkeit und Erschöpfung- woher Energie nehmen, wenn keine da ist?
  • Erhöhte Infektanfälligkeit- auch das Immunsystem braucht Energie um zu funktionieren. Eine Zeit lang wird es durch erhöhte Kortisolmengen kalt gestellt. Aber nicht für immer.
  • Haar- und Nagelveränderungen- Haare und Nägel sind für den Körper aus Überlebenssicht absolut unwichtig. Warum schöne Haare haben, wenn es ums Überleben geht?
  • Verminderte Stressresistenz- die Stressresistenz hängt alleine von der Fähigkeit des Körpers ab Energie herzustellen. Die Nebennieren können Energie umlenken und dafür sorgen, dass der Körper Nährstoffdepots zwecks Energieversorgung verbrennt, mehr aber auch nicht.
  • Muskel- und Gelenkschmerzen- Muskeln und Gelenke werden aus Eiweiß hergestellt. Dieses kann notfalls für die Energieproduktion verbrannt werden. Ein energieloser Körper wird seine Toxine und auch Kalk nicht mehr los. Diese lagern sich gerne in den Gelenken an. Ein nicht optimal arbeitendes Immunsystem führt außerdem zu Entzündungen, die ebenfalls Schmerzzustände verursachen können.
  • Konzentrationsstörungen- Unvollständige Verdauungsvorgänge können zu erheblichen Belastungen an körpereigenen Opioiden und Alkohol führen. Auch ein instabiler Blutzucker führt zu Konzentrationsstörungen. Ein instabiler Blutzucker ist eine automatische Folge schwacher Nebennieren.

Insofern ist die Ursache der oben genannten Symptome nicht eine Übersäuerung, sondern ein Energiemangel. Es ist zwar richtig, dass ein Stoffwechsel, der nicht richtig funktioniert an manchen Stellen mehr Säuren herstellt, als ihm gut tut. Das gilt z.B. für Laktat. Laktat wird verstärkt hergestellt, wenn die Energieproduktion auf Zellebene nicht mehr richtig funktioniert und ist auch eine typische Folge von Schilddrüsenunterfunktion. Das Laktat kann nicht angemessen abgebaut werden, weil der Körper durch einen Energiemangel insgesamt nicht mehr mit der Entgiftung hinterher kommt. Noch sehr viele andere Stoffwechselprodukte sind sauer (aber nicht alle).

Was wird nun allgemein „übersäuerten“ Menschen empfohlen:

  • Das Essen von mehr Obst und Gemüse, weniger Fleisch, Milchprodukte und Genussgifte, kein weißer Zucker
  • Stressmanagement
  • Die Einnahme von Natron, einer starken Base
  • Basenbäder
  • Die Einnahme von rechtsdrehender Milchsäure
  • Die Einnahme von Zitronen
  • Die Einnahme von Zitraten, z.B. Magnesiumzitrat

Damit wird dann in der Regel versucht den Urin basischer zu machen. Das Blut, wohlgemerkt, kann man durch den Verzehr von Obst und Gemüse alleine nicht basisch machen. Das Blut basisch machen gelingt durch manche Diuretika und vor allem durch intravenöse Gaben basischer Substanzen, z.B. Natron.

Doch warum sollte man den Urin basischer machen wollen, wenn die Ursache der obigen Symptome ganz woanders liegt? Es ist bis heute nicht geklärt, ob ein basischer Urin ein Zeichen von größerer Gesundheit ist. Doch selbst, wenn das der Fall sein sollte…auf Ursachen wirkt man dadurch nicht ein. Der einzige wirklich nachgewiesene Vorteil basischen Urins ist die Vermeidung von Bildung von Nierensteinen. Doch auch diese sind ein Zeichen eines entgleisten Stoffwechsels insgesamt, wodurch auch hier das basisch machen des Urins nur eine Symptombehandlung darstellt.

In manchen Fällen werden auch Tests herangezogen, um den Säuregrad des Gewebes zu messen. Und dann wird es interessant. Es geht hier nicht um eine metabolische Alkalose, die z.B. durch übermäßiges Erbrechen oder Schleifendiuretika entstehen kann. Übermäßig basisches Gewebe ist ein Zeichen dafür, dass Mineralstoffe oder Spurenelemente in das Gewebe gewandert sind. Häufig sind das Kalzium oder Eisen. Beides sorgt dafür, dass die Energieproduktion erlahmt. Kalzium im Gewebe (Kalzium gehört vorwiegend in die Zähne und Knochen, nicht ins Gewebe) tötet Mitochondrien und destabilisiert den Blutzucker. Eisen im Überschuss sorgt für eine übermäßige Produktion von freien Radikalen. Insofern beeinflusst der Anteil von Mineralien und Spurenelementen durchaus den pH Wert des Gewebes. Das Verhältnis dieser Nährstoffe zueinander bestimmt auch den Grad der Energieproduktion. Ein Basenüberschuss ist dabei nicht unbedingt von Vorteil. Auch wenn die meisten Menschen zu wenig Obst und Gemüse essen, so heißt das nicht, dass sie unbedingt auf Fleisch, Eier und Milchprodukte verzichten sollten, sonst bekommt man in der Regel ein Eiweißdefizit, was die Energieproduktion auf Zellebene beeinträchtigt. Weißer Zucker hingegen darf gerne weg gelassen werden.

Woher kommt also der Mythos „Übersäuerung“?

Interessanterweise sind die Substanzen, die der überwiegenden Anzahl der Menschen zur Energieproduktion fehlen auch Basen. Noch einmal um Missverständnissen vorzubeugen: wir brauchen sowohl Basen als auch Säuren um einen gesunden Stoffwechsel zu haben. Wir müssen in Bezug auf Mineralien und Spurenelemente sowohl basisch als auch sauer wirkende Substanzen einnehmen. Doch gerade an Magnesium und Kalium brauchen wir viel und haben zu wenig. Kalzium hingegen brauchen die meisten Menschen nicht (genausowenig wie Vitamin D), genauso Eisen.

Damit denken Menschen manchmal ihre Übersäuerung zu behandeln und behandeln stattdessen ohne es zu wissen ein Ungleichgewicht im Mineralienhaushalt was zu einer Balance des Energiestoffwechsels führt. Allerdings nur dann, wenn sie klug genug sind mehr Obst und Gemüse zu essen und basische Präparate in Form von Zitraten zu sich zu nehmen (die ja als Salze immer auch an Kalium, Magnesium etc. gebunden sind). Allerdings ist in diesen Breitbandbasenmitteln meist auch Kalzium drinnen, was in der Regel kontraindiziert ist. Wenn es noch schlimmer kommt, ist dort auch noch Natron enthalten (Natriumhydrogenkarbonat). Dieses macht zwar den Verdauungstrakt basischer und auch den Urin, doch das ist sehr unklug. Eine Neutralisierung der Magensäure ist selten eine gute Idee. Denn im Magen wird die Nahrung auf die Verdauung im Dünndarm vorbereitet und das geht nur mit ausreichend Magensäure. Gerade auch Sodbrennen und Reflux sind dabei oft ein Zeichen von zu wenig Magensäure. Denn der Schließmuskel nach oben im Magen schließt nur, wenn der Magen sauer genug ist. Die Zitrone als basisches Lebensmittel zu bezeichnen, ist chemisch gesehen nicht belegt. Der hohe Kalium und Vitamin C Anteil kann jedoch zu einer gesunden Energieproduktion beitragen. Basenbäder und auch Baseninfusionen können hilfreich sein, sind aber eben auch kein Wundermittel. Im Rahmen einer ordentlichen Stoffwechselbehandlung wird der Körper verstärkt Stoffwechselendprodukte ausscheiden. Diese sind oft sauer. Rechtsdrehende Milchsäure neutralisiert linksdrehende Milchsäure und hilft dabei den Dickdarm saurer zu gestalten. Das mag zwar hilfreich sein, ist aber auch eine rein symptomatische Behandlung. Durch Basenbäder zieht man diese dann and die Haut und aus dem Körper heraus. Baseninfusionen können symptomatische Linderung bringen, sollte das System im Energiedefizit sein. Ein Muss oder Wundermittel sind sie jedoch auch nicht. Im Falle der sogenannten Procain Baseninfusionen erklärt sich die Wirkung wohl eher durch das Procain als durch die Base. Können hilfreich sein heißt: man kommt auch gut ohne sie klar, sie können aber den Prozess angenehmer gestalten.

Fazit: „Übersäuerung“ ist im Grunde eine selektive Demineralisierung. Diese zu beheben braucht Monate bis Jahre und ist nicht mit einer Entsäuerungskur zu beheben. Ist die Demineralisierung einmal behoben, müssen die benötigten Mineralstoffe und Spurenelemente sowie die komplementären Vitamine auch weiter zugeführt werden, damit die Energieproduktion auf Zellebene nicht wieder einbricht.

Mythos Entgiftungskur

Wir alle nehmen von der Wiege bis zur Bahre Gifte zu uns. Im Nabelschnurblut wurden bereits 200 Chemikalien nachgewiesen, in der Muttermilch sind es schlappe 300. Solange man nicht auf der einsamen und von der Zivilisation völlig unberührten Insel lebt, atmet und ißt man täglich Chemikalien (=Gifte) und über die Haut nimmt man sie auch noch auf. Der Körper ist 24 Stunden am Tag damit beschäftigt Gifte wieder herauszuschmeißen, die selbst produzierten Stoffwechselendprodukte als auch Umweltgifte.

Entgiftung geschieht durch Urin, Stuhlgang, Schweiß, Atem und anderen Ausscheidungen. Entgiftung ist ein Prozess, der im Körper ganz von alleine abläuft, sobald genügend Energie vorhanden ist. Selbstreinigung ist ein großer Teil von Selbstheilung. Ohne diese Entgiftungskapazität des Körpers würden wir nur ein paar Tage überleben.

Was vielen nicht klar ist, ist das Entgiftung in 3 Schritten passiert.

  • Gifte werden aus dem Gewebe gelöst und gelangen so zunächst in die Lymphe oder in das Blut.
  • Dann werden Gifte an ein Ausscheidungsorgan transportiert (Leber, Niere etc.). Sollten sie frisch in den Körper gelangt sein, gelangen sie direkt an ein Ausscheidungsorgan.
  • Das Ausscheidungsorgan muss Gifte nun noch aus dem Körper heraus transportieren (Urin, Stuhlgang, Schweiß etc.)

Für alle diese Schritte wird Energie gebraucht. Ist also für die Ausscheidungsorgane zu wenig Energie da, werden Gifte eingelagert bis wieder genug Energie da ist. Denn die Selbstreinigung ist in Bezug auf das Überleben dann sekundär, wenn der Körper nicht an einer akuten Vergiftung leidet und wird bei Energiemangel erst einmal hinten an gestellt. Im akuten Fall einer Vergiftung wird der Körper zwar mehr Nachdruck auf die Entgiftung legen mit der Folge, dass der Mensch bei einem Energiemangel notfalls verstirbt, weil er das Gift nicht hinaus bekommt.

Wenn also jemand dringend eine Entgiftungskur braucht, zeigt er, dass er entweder akut vergiftet ist oder ein defizitäres Energieproduktionssystem hat.

Woher kommt also der Mythos Entgiftungskur?

Entgiftungskuren setzen in der Regel bei einem der 3 Schritte der Entgiftung an:

  • Lösung: Lösung aus dem Gewebe mit Chelatoren (chemische Verbindungen, die die Gifte im Gewebe binden und im Idealfall an ein Ausscheidungsorgan transportieren). Chelatoren enthalten in der Regel Schwefelverbindungen. Beispiele DMPS, DMSA, Alpha Liponsäure.
  • Entgiftungsorgan: Stärkung der Entgiftungsorgane, in der Naturheilkunde meist durch Kräuter, z.B. Mariendistel für die Leber, Goldrute für die Niere.
  • Ausscheidung: Hier gibt es Bindemittel auf dem Weg aus den Ausscheidungsorganen. Hier handelt es sich um Substanzen die wie Schwämme Toxine binden und so dafür sorgen, dass Gifte auch wirklich ausgeschieden werden und nicht erneut resorbiert werden. Ein andere Weg die Ausscheidung zu beschleunigen sind Trinken, abführende Substanzen, Schwitzbäder, Schröpfen, Aderlass.

Mit einer Entgiftungskur macht man also einerseits nicht genug und andererseits zu viel. Das gilt zumindest dann, wenn man nicht gleichzeitig das Energiedefizit auf Zellebene behandelt. Dann macht man nicht genug, weil man davon ausgeht mit einer Kur Ursachen zu beseitigen die nicht beseitigt werden, und man macht zu viel, weil der Körper den Job im Grunde auch alleine hin kriegen würde, hätte er nur genügend Energie. Eine Entgiftungskur alleine wäre dann das richtige Werkzeug, wenn ein eigentlich kerngesunder Mensch ganz akut vergiftet wird. Doch auch diese Menschen sollten in ihrem Energiehaushalt unterstützt werden, damit sie danach nicht in ein Energiedefizit kommen.

Bei der Anwendung von Chelatoren im Rahmen einer Ausleitung von Schwermetallen kann es sogar zu unangenehmen und sogar gefährlichen Konsequenzen für den Patienten kommen, weil hier der Fokus oft lediglich auf der Anlösung der Toxine im Gewebe gelegt wird. Es wird nicht bedacht, ob die Ausscheidungsorgane mit der Ausscheidung auch hinterher kommen. Ist dies nicht der Fall, kommt es zu weiteren Schäden in der Energieproduktion und die Schwermetalle werden umverteilt. Nicht immer geht es dem Patienten danach noch gut. Chelatoren sind etwas für akute Vergiftungen, nicht zur Ausscheidung einer heute allgemeinen und generellen Schwermetallbelastung. Das erledigt der Körper von ganz alleine, sobald er wieder Energie hat. Auch Chlorella, Bärlauch und Co richten eher Schaden als Nutzen an.

Fazit: Entgiftungsmaßnahmen können im Rahmen einer Balance des Energiehaushaltes sinnvoll sein, weil der Körper bei einer Steigerung seines Energieproduktion automatisch Gifte ausleiten wird. Entgiftungsmaßnahmen sorgen lediglich dafür, dass dies glimpflich verläuft. Allerdings ist es so, dass der Körper schon auch weiß wie viele Gifte er zu einem bestimmten Zeitpunkt lösen kann, ohne dass das Gesamtsystem zu sehr leidet. Dies System ist nicht immer perfekt, weswegen es bei einer Balance des Stoffwechsels zu Entgiftungsmaßnahmen kommen kann, die allerdings von alleine nach einigen Tagen verschwinden. Um diese paar Tage für den Patienten angenehmer zu gestalten, werden die Ausscheidungsorgane gestärkt und die Ausscheidung beschleunigt. Doch dringend notwendig sind diese Maßnahmen aus Sicht des Körpers nicht. Gerade der Fokus auf Entgiftung durch Bindemittel (von Zeolith bis Apfelpektin über Chlorella- die Liste ist da sehr lang) macht diesbezüglich wenig Sinn. Die Frage muss doch hier heißen, warum der Darm das Gift nicht von alleine heraus bekommt. Schaden tun Bindemittel zwar selten, nützen tun sie aber eben auch nur im sehr begrenzten Maße und eigentlich erst dann, wenn die Energieproduktion bereits funktioniert und auch die Verdauung einwandfrei läuft. Wer nicht täglich mindestens einmal Stuhlgang hat, kann sich das Geld für Bindemittel auch sparen. Denn dann kann man eine Selbstvergiftung auch nicht mehr abwenden. Auch radikale Leberreinigungskuren führen aus meiner Erfahrung heraus selten zum gewünschten Wohlbefinden- im Gegenteil. Rosskuren wie die Grapefruit/Olivenöl Kur belasten das System nur unnötig und wenn man Pech hat, gibt es eine Gallenkolik noch dazu. Darmreinigungskuren sind ein weiteres Thema, was in der Form, wie sie in der Regel betrieben werden, aus meiner Sicht einfach nur Geldverschwendung sind. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Entgiftungskuren ohne die Balance des Energiehaushaltes sind damit eher etwas für das Gewissen als für die Gesundheit. Wer noch ein einigermaßen gut funktionierendes Energiesystem hat, kann in geringem Maße kurzzeitig davon profitieren. Doch Entgiftung sollte ein natürlicher Prozess sein, der jede Stunde, jeden Tag ein Leben Lang optimal funktioniert. Die beste Entgiftungskur ist also die Erlangung, bzw. Aufrechterhaltung des Energiehaushaltes. Diesbezüglich ist es natürlich sinnvoll die Einnahme von Giften zu minimieren. Doch zunächst einmal an der Basis zu arbeiten und zwar konsequent und ein Leben lang ist nicht das, was sich Menschen gerne unter einer Entgiftung vorstellen wollen. Um den Körper die Energieproduktion zu erleichtern und ihm für die Entgiftung nicht so viel Energie zu rauben sind folgende Maßnahmen unerlässlich:

  • Drogen jeglicher Natur sollten vermieden werden. Dazu gehören selbstverständlich auch Alkohol und Zigaretten.
  • Die Einnahme von Medikamenten (auch Aspirin und Ibu) sollte auf das mindestnotwendige beschränkt werden.
  • Das Essen sollte ausschließlich bio sein. Das ist keine 100% Garantie für Toxinfreiheit aber dennoch das Beste, was man diesbezüglich tun kann.
  • Jegliches Wasser, was man zu sich nimmt, sollte gefiltert sein. Wenn das Wasser sehr belastet ist, z.B. mit Chlor, filtern man auch Duschwasser und Waschwasser noch.
  • Kosmetikprodukte und Putzprodukte sollten keine Toxine enthalten.
  • Andere Stoffe, die in den Körper eingeführt werden, sollten nicht toxisch sein (Zahnfüllungen aus Metall, Silikon, andere Implantate).
  • Wenn möglich sollten auch die Utensilien des täglichen Lebens wie Möbel, Kochgeschirr etc. toxinfrei sein.

Entgiftungskuren regeln also nicht das „ob“ der Körper entgiftet, sondern allenfalls das „wie“. Eine wirkliche Entgiftung des Körpers dauert in der Regel Jahre und ist mit einer Kur niemals getan. Das ist eben der Tatsache geschuldet, dass der Körper erst einmal Energie produzieren muss, und dann auch nicht dazu in der Lage ist ohne zu sterben den ganzen Müll auf einmal heraus zu transportieren. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen in einem ziemlich großen Energiedefizit leben (siehe auch leben im Gesundheitsdispo). Eine beschleunigte Entgiftung geht dann erst los, wenn Schilddrüse und Nebennieren anfangen wieder normal zu funktionieren. Ist der Körper dann einmal von den Altlasten im Gewebe befreit, muss die Entgiftung ständig weiter gehen, sonst ist man schnell wieder dort wo man einmal war.

Die Energieproduktion des Körpers ist in beiden Fällen der Schlüssel. Entgiftungskuren stellen also im Rahmen eines gut funktionierenden Energiesystems allenfalls noch das Sahnehäubchen dar. Das Energiesystem kann nur funktionieren, wenn genügend Makronährstoffe und Mikronährstoffe vorhanden sind. Wichtige Mikronährstoffe beim Thema Entgiftung sind z.B. Magnesium, Schwefel und Vitamin C. Eiweiß ist für jegliche Entgiftung unerlässlich- und das alles ein Leben lang und nicht als Kur!

Das Energiesystem auf Zellebene wieder herzustellen ist der Kern meiner Therapie. Der Rest kommt von alleine. Denn die Energieproduktion beeinflusst eben alles: Immunsystem, Entgiftung, Anti-Aging und natürlich auch die Hormone.

Quelle Bild: Gemeinfrei, Wikipedia und Gemeinfrei, Wikipedia