Regulation statt Substitution

Eine regulative Therapie sucht nach den Ursachen einer Störung, damit sich der Körper anschließend selber reguliert, eine substitutive Therapie ersetzt lediglich das fehlende Hormon

Hormonelle Störungen lassen sich auf zwei Wegen angehen: durch Regulation oder durch Substitution. Bei der Substitution schaut man sich an welche Hormone dem Körper fehlen und ersetzt diese dann.

Bei der Regulation sucht man nach den Gründen für das Fehlen der Hormone und beseitigt diese, sodass der Körper die fehlenden Hormone selber wieder herstellen kann. An dieser Stelle sollen zunächst die grundsätzlichen Vor- und Nachteile der Substitution erörtert werden.

Die Substitution hat den Vorteil, dass sich unter Umständen schnelle Ergebnisse in Bezug auf die hormonelle Balance erzielen lassen. Im Fall von Hormonen mit einem positiven Feedback (Pregnenolon, Progesteron, DHEA) wird teilweise davon ausgegangen, dass die zeitweilige Substitution dazu führt, dass der Körper das fehlenden Hormon nach einer Weile selber wieder produziert. Warum das in der Praxis so nicht immer funktioniert, lesen Sie hier.

In Notfällen, z.B. einer Addison Krise, in welcher die Nebennieren kurzzeitig organisch versagen, ist die Substitution von Nebennierenhormonen natürlich die einzige Möglichkeit das Leben zu erhalten. Auch in Fällen dauerhaften Organversagens, oder wenn Organe heraus operiert wurden, z.B. die Schilddrüse, ist eine alleinige Regulation, zumindest des Hormones welches vom fehlenden Organ produziert wird, nicht möglich. Es muss substituiert werden.

Doch die Substitution weist auch Nachteile auf. Der erste Nachteil besteht darin, dass die Substitution alleine keine Ursachen hormoneller Störungen beseitigt- denn das fehlende Hormon selber ist eine Reaktion auf Missstände im Körper und damit nur ein Symptom. Hier wird außerdem nicht berücksichtigt, dass der Körper nicht wie eine Maschine funktioniert, indem ein fehlerhaftes Teil einfach nur ersetzt wird. Denn der Körper ist dazu in der Lage Hormone in andere Hormone zu verwandeln oder nicht zu verwerten (z.B. indem Rezeptoren besetzt sind, Zellen die Hormone nicht hinein lassen). Sind die Weichen im Stoffwechsel einmal falsch gestellt, wird die Substitution im schlimmsten Falle nur mangelhafte Ergebnisse liefern und im besten Falle für immer stattfinden müssen.

Damit ist die Substitution aus meiner Sicht nur in folgenden Fällen sinnvoll:

  • In Fällen wo das hormonproduzierende Organ kurzfristig oder dauerhaft nicht in der Lage ist das Hormon zu produzieren. Dies gilt vor allem in Fällen wo kurzfristig oder dauerhaft ein organisches Versagen vorliegt oder wo das hormonproduzierende Organ entfernt wurde.
  • In Fällen wo man davon ausgehen kann, dass der Stoffwechsel das substituierte Hormon nicht in ein anderes, oft unerwünschtes Hormon, verwandelt.
  • Die Substitution kann als therapeutisches Tool mit Aussicht auf eine regulierende Wirkung dann eingesetzt werden, wenn es sich bei den substituierten Hormonen um Hormone mit einer Produktion mit positivem Feedback handelt. Dies setzt aber ebenfalls voraus, dass der Stoffwechsel nicht so dereguliert ist, dass die substituierten Hormone gleich wieder weiter „verarbeitet“ werden.

Die alleinige Substitution ist damit in der Praxis selten dazu geeignet dauerhafte Ergebnisse zu erzielen. Dies gilt sowohl für die Beseitigung von Symptomen hormoneller Störungen als auch für die langfristige Fähigkeit des Körpers ohne Hormone von außen zurecht zu kommen.

In meiner Praxis spielt die Substitution im Laufe der Zeit eine immer unwichtigere Rolle. Vereinfacht gesagt ist es so, dass man sie kaum mehr braucht, wenn sie denn richtig wirken würden. Zwar ist die Balance des Stoffwechsels oft nicht dazu in der Lage jedes hormonelle Symptome zu beseitigen. Aber hat man einmal einen Grund in den Schlamassel gebracht, kommt man in der Regel auch mit naturheilkundlichen Maßnahmen und einen guten Lebenswandel in seiner Behandlung weiter.

Die Substitution ist aus meiner Sicht einfach keine ganzheitliche Behandlungsmethode. Auch wenn sie einfache Wege verspricht und in einigen Fällen zu einer unmittelbaren Verbesserung der Symptome führt: Ursachen werden dadurch nicht beseitigt. Es werden neue Abhängigkeiten von Arzneimitteln (auch naturidentischen Hormonen) geschaffen, da der Mensch wie eine defekte Maschine behandelt wird.

Dazu ein Beispiel:

Eine Patientin hat Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und eine Infektanfälligkeit. Bekannt sind eine Schilddrüsenunterfunktion und Kortisolmangel (Nebennierenerschöpfung).

Es wird mit der üblichen Regulationstherapie begonnen. Diese läuft nun schon 1,5 Jahre. Der Patientin geht es insgesamt besser. Sie befolgt die Ernährungsvorgaben akribisch und nimmt auch die empfohlene Nahrungsergänzung diszipliniert ein.

Nach einem Infekt kommt es zu einem Kreislaufzusammenbruch. Daraufhin telefonieren wir. Der TSH Wert hat sich verschlechtert. Ich erkläre ihr, dass der TSH Wert der Tagesform unterliegt und auch Tagesschwankungen. Außerdem kann ein Infekt diesen kurzfristig in die Höhe treiben. Schließlich ist eine Erkältung mit Symptomen wie Kälte, Gliederschmerzen, Schwäche etc. ein Paradebeispiel für eine akute Schilddrüsenunterfunktion.

Es kommt nun zum folgenden Gespräch:

Patientin: „Frau Trost, denken Sie nicht, dass meine Symptome von meiner Schilddrüsenunterfunktion kommen und es mir besser gehen würde, wenn diese ausgeglichen wäre?“

Ich: „Absolut, Ihre Symptome sind höchst wahrscheinlich mit von der Schilddrüsenunterfunktion verursacht“

Patientin: „Also wäre es wichtig diese Unterfunktion auszugleichen?“

Ich „Ja, da sind wir schon die ganze Zeit bei“

Patientin: „Würde es mir nicht besser gehen, wenn ich Schilddrüsenhormone nehmen würde?“

Ich: „Das ist leider unwahrscheinlich“.

Patientin: „Aber meine Schilddrüse braucht möglicherweise Unterstützung, damit ich die Symptome überwinden kann….“

Ich: „Die entscheidende Frage ist hier doch WARUM Ihre Schilddrüse in der Unterfunktion ist, oder?“

Und dies ist der Knackpunkt. Hier unterscheidet sich die Regulationstherapie von der Substitutionstherapie. In der Substitutionstherapie wäre hier die Gabe von Hormonen die folgerichtige Entscheidung.

In der Regulationstherapie geht es jetzt um den nächsten Schritt. Was tun, wenn die bisherigen Maßnahmen nicht zu einer wesentlichen Besserung geführt haben?

Man sucht weiter nach Ursachen. In dem Fall oben wurde mit der Patientin bereits erarbeitet, dass bestimmte psychische Muster der Heilung nicht zuträglich sind. Die Patientin hatte sich aus Angst von ihren negativen Gefühlen überwältigt zu werden dem „positiven Denken“ verschrieben. Doch Gefühle lassen sich nicht weg denken. Sie brechen sich anders im Leben des Menschen die Bahn. Sehr häufig, indem der Mensch sich selber den „Saft abdreht“, wodurch es zu den typischen Hormonproblemen wie Schilddrüsenunterfunktion, Nebennierenschwäche, Östrogendominanz kommt. Diese sorgen außerdem dafür, dass die Gefühle auch weiter abgespalten, also nicht fühlbar, bleiben. Dafür sorgt die eben beschriebene Hormonkonstellation.

Ich kläre die Patientin auf, was wohl passieren würde, wenn sie jetzt in die Hormonsubstitution gehen würde.

Szenario 1:

Es wird hier eine optimale Substitution mit natürlichen Schilddrüsenpräparaten gewählt oder ein Kombipräparat T4/T3.

Die Schilddrüsenhormone würden objektiv optimal wirken. Dies würde zu einer massiven und plötzlichen Energiesteigerung im Körper führen.

Konsequenzen:

  • Die Patientin ist bekanntermaßen eine schlechte Entgifterin. Es würden sich sehr schnell Gifte im Körper mobilisieren, die sie nicht ausscheiden könnte. Das würde wohl die Symptomen wie Kopfschmerzen und Gliederschmerzen verstärken.
  • Die Nebennieren der Patienten produzieren zu wenig Kortisol. Schwache Nebennieren führen dazu, dass der Körper mobilisierte Gifte schlecht ausscheiden kann. Auch deswegen bleibt sie auf ihren Giften sitzen, bzw. schiebt sie dann im Körper hin und her.
  • Die Patientin neigt zu hohen Adrenalinausscheidungen (aus ihren Tests ersichtlich). Eine gelungene Schilddrüsensubstitution würde zumindest kurzfristig zu adrenergen Symptomen wie Unruhe, Herzkklopfen, Schlaflosigkeit und eventuell auch Ängsten und schlimmstenfalls Panik Attacken führen. Im günstigsten Fall ist dieser Zustand nach 2 Wochen vorbei. Unerfahrene Therapeuten würden hier jetzt eine Schilddrüsenüberfunktion vermuten, die aber nicht vorliegt. Der Körper wird durch die Schilddrüsenhormone lediglich für das Adrenalin sensibilisiert.
  • Die verdrängten Gefühle der Patientin könnten auch dauerhaft für die adrenergen Symptome sorgen. Diese adrenerge Lage erledigt sich nur wenn die Patientin sich ihren Ängsten stellt. Vorher nicht. Wahrscheinlich erledigt sich dann auch die Schilddrüsenunterfunktion gleich mit. Und die Nebennieren erholen sich von allein. Vorausgesetzt Ernährung und Nährstoffe stimmen. Was bei der Patientin aber der Fall wäre.
  • Durch die Stoffwechsellage der Patientin (langsamer Stoffwechsel, eher anaerober Stoffwechsel), ist eine „gelungene“ Hormonsubstitution hiermit sehr unwahrscheinlich.
  • Doch selbst, wenn sich die Patientin mit den Hormonen echt wohl gefühlt hätte, hätten wir nun das Problem nicht gelöst. Die Patientin wäre bis auf ihr Lebensende von den Hormonen abhängig. Es ist sogar manchmal noch schwerer an die Ursachen der Störung zu kommen, wenn der Patient eine Krücke in Form von Hormonen hat. Denn diese spiegeln ja der Patientin nun vor, dass es ihr gut geht. Der Schmerz, der sie vorher auf Missstände aufmerksam machen wollte, wird nun nicht mehr gefühlt.

Szenario 2:

Die Patientin bekommt nur L-Thyroxin (T4), die Standardtherapie. Dies ist eigentlich eine suboptimale Substitution. Folgendes könnte nun passieren:

  • Das oben beschriebene Szenario trifft abgeschwächt ein, weil L-Thyroxin schwächer wirkt.
  • Die Patientin merkt keine wesentliche Verbesserung. Der Körper ist nicht in der Lage das T4 in T3 zu verwandeln. Das T4 verlangsamt den Stoffwechsel immer weiter durch Einlagerung von Kalzium in die Zellen. Mitochondriopathien bleiben bestehen und verschlechtern sich. Der Körper ist immer weniger dazu in der Lage auf Zellebene Energie zu produzieren.
  • Auch hier ist die Patientin nun von Schilddrüsenhormonen abhängig. Möchte sie diese nun wieder absetzen, muss das sehr langsam geschehen. Denn ihre eigene Schilddrüse ist nun noch fauler geworden (negatives Feedback). Die Hormone müssten sehr langsam ausgeschlichen werden.

Was ist also die Konsequenz aus der Sicht der Regulationstherapie?

Man bearbeitet als nächstes die verdrängten Gefühle.

Ein anderes Beispiel:

Eine Patientin hat Haarausfall und hat lange die Pille genommen. Ein paar Wochen nach Absetzen der Pille ist die Regel noch nicht wieder da. Der Haarausfall ist etwas besser. Die Patientin geht zur Endokrinologin. Es wird dort ein Progesteronmangel festgestellt und die Kortisolwerte im Blut sind zu niedrig. Die Patientin möchte nun Progesteron nehmen.

Ich schreibe ihr:

mir ist wohl bewusst, dass Deine ausbleibende Regel von einem Progesteronmangel zumindest mit verursacht ist. Schließlich hast Du die Pille genommen und Dein Test hat die Östrogendominanz bestätigt. Die Frage ist ja immer, wie gehe ich damit um. WARUM hast Du diesen Progesteronmangel, bzw. die Östrogendominanz?

Ich kann einfach sagen, es fehlt Progesteron, was ich dann zuführen muss. Oder ich kann schauen, was dem Körper fehlt um es selber zu produzieren. Das geht natürlich nur, wenn ich wirklich an den Ursachen der Störung interessiert bin. Daher schlug ich Blockadenlösung vor. 

Denn, nur weil Du Progesteron brauchst, heißt nicht, dass Dein Körper das auch gut vertragen wird. Sprich, ob es überhaupt in die Zellen gelangt oder ob der Körper das Progesteron nicht einfach in Kortisol oder Östrogen verwandelt, was wir nicht so ohne Weiteres wollen. Denn dies ist durchaus möglich und nicht ungewöhnlich. Meine Erfahrung in Verbindung mit Deinen Testergebnissen liess mich vermuten, dass eine Verträglichkeit des Progesterons, bzw. eine „erfolgreiche“ Anwendung nicht so ohne Weiteres gegeben ist. 

Insofern will ich Dich nicht davon abhalten Progesteron zu nehmen. Es ist aus meiner Sicht einfach nicht die Lösung und der Schuss könnte auch noch nach hinten los gehen. Klar macht ein Versuch manchmal klüger und ich kann mich irren. 

Mit einer Progesterongabe werden aus meiner Sicht außerdem keine Probleme gelöst, selbst wenn sie zunächst einmal „erfolgreich“ ist. Obwohl ich nicht an und für sich etwas gegen Hormone habe. Doch Problemlösung ist ja das Ziel einer Therapie bei mir. Das ist der wesentliche Unterschied zwischen einer Substitutionstherapie und einer Regulationstherapie. 

Was die Kortisolwerte anbelangt, sind diese eine Momentaufnahme (im Blut oder sogar Speichel gemessen) und eben kein Durchschnitt der letzten 3 Monate (weswegen ich am Anfang der Therapie mit der HMA therapiere). Außerdem kann sich natürlich auch schon etwas geändert haben. 

Bitte lies Dir noch einmal die angegebenen Artikel durch, dann verstehst Du was ich meine. 

Anschließend wäre es wichtig Dich zu entscheiden wie Du grundsätzlich an die Sache herangehen möchtest. Symptome überdecken oder Ursachen finden. Das habe ich schon mehrmals in unseren Gesprächen erwähnt und mache es ja auch auf meiner Webseite ganz groß zum Thema. 

Die Pille bedeutet auch immer etwas zu zu decken. Das Verdeckte und Verdrängte wird sich irgendwann auf andere Weise Bahn brechen. Hinzu kommt, dass man nach dem Absetzen der Pille dem Körper erst Zeit geben muss die Pille auszuleiten und dann muss der Körper auch noch dazu kommen das zu zeigen was durch die Pille Jahre lang verdeckt wurde. Dann kann man sich darum kümmern. Dies ist in der Regel nicht angenehm. Doch Symptome sind aus meiner Sicht der Weg des Körpers mit uns zu kommunizieren. 

Dies ist natürlich eine ganz andere Herangehensweise als die der Endokrinologen und selbst als die meiner meisten heilpraktischen Kollegen. 

Die Verantwortung für das, was Du für Dich als richtig empfindest kannst nur Du übernehmen. Doch ich wollte Dir hiermit noch einmal erklären, worum es bei meiner Therapie geht und was ich im Hinblick auf eine Therapie bei mir im Gegenzug von Dir erwarte. 

http://katiatrost.de/2016/07/14/vom-richtigen-hormon-zur-falschen-zeit/

http://katiatrost.de/2015/10/06/hormontest-speichel-blut-oder-urin/

http://katiatrost.de/2016/11/08/hormone-die-psyche-spielt-immer-eine-rolle/

 

Quelle Titelbild: Von Paebi – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, Wikipedia