Hormone- die Psyche spielt immer eine Rolle!

Naturheilkunde kann auf verschiedene Weise betrieben werden.

Manche Menschen verstehen darunter einfach die Gabe von natürlichen statt chemischen Präparaten für ihre Symptome. Dies entspricht jedoch im Wesentlichen immer noch dem symptombezogenen schulmedizinischen Modell für Gesundheit.

Im Ursprungssinne ist die Naturheilkunde (bevor die Aufklärung eine Spaltung des Menschen in Gefühl und Verstand postuliert hat) eine ganzheitliche Methode. Das heißt, es wird der ganze Mensch behandelt. In früheren Zeiten haben die Kräuterfrau, der Schamane oder Medizinmann also nicht nur Tränke und Pülverchen für den kranken Menschen bereit gestellt, sondern auch Rituale und sogar „Zauber“ veranstaltet um den Menschen wieder in seine Mitte zu bringen. Dieser „esoterische“ Teil mag den einen ansprechen und den anderen im Sinne eines „Budenzaubers“ abschrecken. Die Quintessenz des ganzen ist jedoch, dass die Naturheilkunde im eigentlichen Sinne den ganzen Menschen behandelt und eben nicht nur seine Symptome.

Es wird dann häufig gesagt, dass Körper, Geist und Seele behandelt werden sollten. Modern interpretiert bedeutet dies, dass der Körper behandelt wird und auch die Psyche.

Viele Menschen, die in meine Behandlung kommen, werden von der Schulmedizin als gesund oder mit ihren Beschwerden gar als Simulanten abgetan. Das hat einerseits damit zu tun, dass Hormonbeschwerden und ihre Zusammenhänge vielfach während der medizinischen Ausbildung als Stiefkind behandelt werden. Das hat auch damit zu tun, dass die meisten medizinischen Tests zu ungenau sind um wirklich Auskunft über den Zustand der Hormone zu geben. Ein Beispiel dafür ist die Orientierung am TSH-Wert um die Gesundheit der Schilddrüse zu bestimmen. Wer also nicht dir richtigen Fragen stellt, bekommt auch keine Antworten. Außerdem ist der Fokus der Schulmedizin nicht auf funktionale Probleme gerichtet, sondern auf organische Störungen. Hormonprobleme sind jedoch nicht immer mit organischen Manifestationen verbunden. Und auch wenn sie dies sind, wird selten nach den Ursachen für diese gesucht.

Kurz gesagt, die Diagnose eines Menschen, bei dem man durch die gängigen medizinischen Blutuntersuchungen nichts findet, ist schulmedizinisch eine psychosomatische. Die Botschaft an diesen Menschen lautet somit: „Gehen Sie in psychotherapeutische Behandlung. Ihr Körper muss nicht behandelt werden“.

Insofern fühlen sich Menschen, die im Grunde als Simulanten abgetan werden, von meiner Behandlung sehr angesprochen. Das ist auch gut so. Denn auch ich habe einst mit dieser „Diagnose“ leben müssen und wollte mich damit nicht abfinden.

Hormonprobleme sind eine unspezifische Antwort auf Stress. Der Stress kann vom Körper oder der Psyche kommen.

Körperliche Mangelzustände führen zu einer Verschiebung der Biochemie, doch auch psychische Blockaden können dies bewirken. Ist die Biochemie erst einmal verschoben, führt dies zu weiteren Entgleisungen des Stoffwechsels, wodurch die Psyche biochemisch wiederum beeinflusst wird.

Unser heutiger Lebensstil und auch unsere Umweltbedingungen sorgen dafür, dass der Körper meist soweit gestresst ist, dass er sogar aufhört Energie auf Zellebene zu produzieren. Das Hormonsystem, was Energie verteilt, entgleist dadurch gleich mit. Um Energie zu produzieren braucht der Körper Nährstoffe. Der Körper hat in Bezug auf eine gute Funktionsweise seine eigenen Regeln. Er braucht Nährstoffe, Luft und Wasser um zu leben. Das kann durch NICHTS anderes ersetzt werden. Diese simple Tatsache ist für viele Patienten ein großer Lernprozess. Immer wieder muss ich ihnen erklären warum sie denn nun ihre Ernährung umstellen müssen und genügend Eiweiß essen müssen und warum sie leider auch Nahrungsergänzung brauchen. Auch Ruhezeiten und Schlaf sind für die rein physische Funktion des Körpers unerlässlich.

Insofern stellt die Behandlung des Körpers einen großen Teil meiner Behandlung des Hormonsystems dar. Denn wenn der Körper nicht gut versorgt ist, erübrigt sich der Rest.

Doch jetzt kommt das große ABER.

Die körperliche Versorgung ist bei der Behandlung von hormonellen Störungen noch lange nicht alles.

Bereits die Tatsache, dass Menschen sich oft nicht die Ruhe gönnen, die sie brauchen um physisch gesund zu sein, zeigt, dass sie psychisch nicht gut mit sich umgehen. Wenn Menschen sich ständig antreiben um über ihre körperlichen Grenzen zu gehen, zeigt es, dass sie psychisch nicht gut mit sich umgehen. Eine Nebennierenschwäche ist das sicht- und fühlbare Ergebnis eines solchen Umgangs mit sich selber. Und eine solche haben 95% aller meiner Patienten.

Durch unsere westlich-industrialisierte Kultur sind wir es einfach gewohnt Raubbau gegen uns selber zu betreiben, im Hamsterrad zu funktionieren, bis es nicht mehr geht. Viele orientieren sich auch an völlig unrealistischen Maßstäben in Bezug auf das was sie leisten können sollten.

Und das sind noch die „leichten“ Fälle. Andere Patienten haben Schicksalsschläge oder Traumata erlebt, die sich weiterhin in ihrem Leben bemerkbar machen, auch wenn die Patienten diesen Ereignissen oft keine große Bedeutung beimessen. Denn unter Stress spalten wir uns häufig von Schmerz ab- ein Überlebensmechanismus des Körpers.

Fast zwangsläufig leben Menschen so nicht ihrer wahren Natur gemäß. Sie wissen nicht mehr wer sie sind, haben sich sogar oft selber verloren.

Mit anderen Worten: ich kenne keinen Patienten, der nicht auf die eine oder andere Weise ein psychisches Thema hat, welches einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung der hormonellen Störungen geleistet hat!

Dazu ein Beispiel:

Eine Patientin kam zur hormonellen Balance, da sie vor einigen Jahren Brustkrebs gehabt hatte und nun gerne durch eine Balance der Hormone weiteren Vorfällen vorbeugen wollte. Es zeigten sich in der Haarmineralanalyse erhöhte Kalzium-, Kupfer-, und Kobaltwerte u.a., welche Indikatoren für einen langsamen Stoffwechsel sind und damit auch eine langsame Entgiftung des Körpers nach sich ziehen. Durch eine Fußverletzung beschloss die Patientin sich einer körperorientierten Therapie zuzuwenden, die sowohl körperliche als auch emotionale Blockaden behandelt. Nach einem erneuten Test zeigt sich nun eine massive Ausscheidung an Schwermetallen bei der Patientin. Während vorherige Tests nur wenig Bewegung zeigten, war das Ergebnis nun eindrucksvoll. Die Patientin gab auch an viel energiegeladener als vorher zu sein, sie fühlte sich insgesamt viel besser. Die Fußschmerzen waren auch weg. Dies ist ein eindrücklicher Fall für den Zusammenhang von Körper, Psyche und „Zellgedächtnis“. Durch Bewegung auf der einen Ebenen, kann nun auch die andere Ebene loslassen.

Die Erfahrung zeigt außerdem: je mehr die hormonellen Störungen den rein funktionalen Bereich verlassen und bereits organische Manifestationen zeigen (Hashimoto, PCOS, Endometriose, Zysten, Myome etc.), desto mehr wurden psychische Konflikte in den Körper gedrängt. Dies gilt auch für chronische Erschöpfung.

Das heißt natürlich nicht, dass Patienten mit Organmanifestationen oder auch funktionalen Beschwerden sich ihre Beschwerden einbilden. Der Körper muss absolut behandelt werden! Denn irgendwann weiß man einfach nicht mehr wo Henne und wo Ei ist. Behandelt werden sollte aber eben wirklich BEIDES.

Insofern fordere ich jeden Patienten auf, der eine echte naturheilkundliche Behandlung wünscht, den Begriff „Ganzheitlichkeit“ in seiner Behandlung ernst zu nehmen.

Was heißt das konkret?

Ich habe in meinem „Werkzeugkasten“ verschiedene Möglichkeiten auf die Psyche einzuwirken. Diese sind:

in eher „leichten“ Fällen und als Basistherapie für alle meine Patienten.

Für mittlere bis schwere Fälle empfehlen sich allerdings gezieltere therapeutische Maßnahmen. Hier setze ich vorwiegend CRM ein, eine Methode die aus der Traumatherapie kommt aber nicht nur für Traumata geeignet ist.

CRM kann gleich am Anfang oder auch erst nach ein paar Wochen der Stabilisierung des Körpers zum Einsatz kommen. Mit CRM sucht und bearbeitet man ganz konkret das Ereignis oder die Ereignisse, die zu bestimmten Symptomen geführt haben, ob diese nun psychisch oder körperlich sind und bearbeitet diese.

Die Behandlung mit CRM ist natürlich kein „Muss“. Ich behandle Patienten auch „nur“ körperlich. Allerdings empfehle ich das ausdrücklich nicht- zumindest bei komplizierten Fällen. CRM kann auch mit Psychotherapien kombiniert werden, da es einen darüber hinaus gehenden Wirkungsbereich aufweist.

Ein Beispiel:

Eine Patientin mit bekannten traumatischen Erfahrungen in der Kindheit kommt zur hormonellen Balance. Die Patientin weist im ersten Test eine hohe Adrenalinbelastung auf sowie erschöpfte Nebennieren mit erniedrigten Kortisolwerten. Ein übliches Bild bei einer Erstanamnese und vor allem ein Bild, welches normalerweise eher Jahre als Monate zur Heilung benötigt. Die Schilddrüse ist in der Unterfunktion. Die Patientin ist nervös und ängstlich, reagiert häufig mit Verdauungsstörungen. Durch die Ernährungsumstellung und Nahrungsergänzung fühlt sie sich grundsätzlich besser. Aber die psychischen Symptome werden schlimmer. Durch die Energiesteigerung wurde ihr Trauma aktiviert. Die sowieso schon sehr schlanke Patientin verliert an Gewicht, was einer weiteren Aktivierung von Adrenalin zu zu schreiben ist. Ich empfehle ihr sich in eine Traumatherapie zu begeben, wenn sie nicht ganz mit der Behandlung aufhören wolle. Dies tun sie dann auch nach einigem Zögern. Da die Patientin aus einer anderen Stadt kommt, sucht sie sich vor Ort auf mein Anraten eine Kollegin, die ebenfalls CRM anbietet. Nach 4 Monaten berichtet die Patienten sie könne nun wieder zunehmen. Sie fühlt sich viel weniger depressiv, sucht neue soziale Kontakte, die ihr gut tun. Hämorrhoiden sind verschwunden. Sie hat wieder Lebenswillen. Doch der Neutest ihrer Hormone stellt alles in den Schatten was ich bisher an Entwicklung in einem Test sehen konnte. Der Adrenalinwert ist ausgeglichen. Der Kortisolwert ebenfalls. Ihre Schilddrüse ist 7 x schneller als zuvor. Nach 8 Sitzungen Therapie hat die Patientin eine Entwicklung hingelegt, für die andere Patienten mit vergleichbaren Testergebnissen normalerweise wirklich Jahre brauchen.

Wenn auch nicht jeder Patient diese Entwicklung in dieser kurzen Zeit aufzeigen mag, so ist das obige Beispiel jedoch ein eindrucksvoller Beweis für den Zusammenhang von Psyche und Körper.

In diesem Zusammenhang ist es auch noch einmal wichtig sich der Rolle des Therapeuten im Genesungsprozess des Patienten bewusst zu werden. Denn der Therapeut ist kein Wunderdoktor. Er kann dem Patienten letztendlich nur dabei helfen sein Leben zu verändern und Konflikte zu bewältigen.

Quelle Titelbild: Von Stefan W from Wien, Österreich – Zahnrad. / Gear., CC BY 2.0, Wikipedia