Warum Sie mit Kortison niemals eine Krankheit heilen können

Viele Menschen gehen davon aus, dass Kortison (auch Cortison), die künstliche Form des Kortisols, Krankheiten heilen könne.

Doch Heilung und Kortison schließen sich per Definition gegenseitig aus. Die Rede ist hier von jeder Menge an Kortison die dazu geeignet ist Entzündungsprozesse zu unterdrücken, in etwa Neurodermitis etc. In kleinen Mengen gehört Kortison zu einem gesunden Hormonsystem, in welchem Kortisol die Rolle eines Stressfilters einnimmt. Allerdings entsprechen alle Mengen an Kortison, die dazu geeignet sind Entzündungen zu unterdrücken, dieser guten und physiologischen Menge an körpereigenen Kortisol nicht. Auch körpereigenes Kortisol kann diese für das Gesamtsystem gesunden Mengen überschreiten, dann gilt das hier für das künstliche Kortison gesagte entsprechend!

Zwar kann man mit Kortison ein Symptom unterdrücken. Das geht sogar sehr gut. Denn dafür wurde Kortisol von der Natur erschaffen- um was auch immer da ist, einfach so schnell wie möglich „weg zu machen“.

Doch wer jetzt denkt, die Wunderpille wurde mit dem Kortison erfunden, wird leider enttäuscht.

Zwei Dinge sind dabei sehr wichtig zu beachten:

  1. Heilung und Symptomunterdrückung sind zwei sehr unterschiedliche Dinge
  2. Der Körper als Gesamtorganismus zahlt immer einen Preis für die Unterdrückung

Beides folgt aus der Natur des Kortisols (und dementsprechend auch des Kortisons) als Stresshormon.

Der erste Gesichtspunkt ist leichter zu verstehen, wenn man, wie im Englischen, zwei Wörter für einen Heilungsprozess unterscheidet: „cure“ und „heal“. Cure wird für alles verwendet, was die krankhafte Erscheinung beendet. Ein Antibiotikum in etwa ist eine „cure“ für Bakterieninfektionen. Doch nur weil die Bakterien möglicherweise alle durch das Antibiotikum beseitigt wurden, heißt dies noch lange nicht, dass die Gifte, die nun durch die sterbenden Bakterien freigesetzt werden, auch vom Körper abgebaut werden können. Dies heißt noch lange nicht, dass das Gewebe, was von den Bakterien angegriffen wurde, dadurch wieder aufgebaut wird. Auch die Nährstoffspeicher, die der Körper verwendet hat um das Immunsystem zu aktivieren, werden dadurch nicht automatisch aufgefüllt. Diese ganzen Vorgänge werden mit dem Wort „heal“ bezeichnet. Logisch betrachtet, kann echtes „healing“ nur dann stattfinden, wenn auch die Ursache des Problems gefunden wurde. Denn ansonsten können sämtliche, um das Verschwinden des Symptoms beteiligten Vorgänge, nicht stattfinden. Diese werden normalerweise von der Selbstheilungskraft bewältigt, über welche die meisten Menschen nicht großartig nachdenken. Man geht automatisch davon aus, dass eine Schnittwunde heilen wird, bis sie es nicht mehr tut. Genau hier setzt „healing“ ein. Am ehesten kann man „healing“ noch in dem Wort Genesung wieder finden. Doch auch darauf verwendet heute keiner mehr ein Gedanke. Früher war es selbstverständlich, dass ein Mensch, der eine Krankheit überstanden hat, eine Genesungszeit zugebilligt bekommen hat. In dieser Zeit hat er sich mehr Ruhe gegönnt, er wurde in Bezug auf Wind und Wetter mehr geschont und mit stärkenden Tränken und besonderer Ernährung wieder aufgepäppelt.

Das zweite ist, dass der Körper im Stressmodus nicht heilen kann und soll. Im Stressmodus geht es, metabolisch gesehen, ums nackte Überleben (mehr dazu hier). Die Fähigkeit des Menschen zu kämpfen oder zu fliegen steht absolut im Vordergrund. Kortisol und Adrenalin sorgen dafür, dass dies möglich ist. Keine störenden Hautausschläge, entzündlichen Prozesse, Hungergefühle oder Unterzuckerungen sollen dem Menschen in den Weg kommen. Dafür werden Heilungsprozesse unterbrochen (im Sinne des Aufbaus von Gewebe), Nährstoffspeicher werden geleert, psychische Prozesse verdrängt.

Damit ist zwar Kortison, ebenso wie Kortisol, dazu in der Lage gewisse Erscheinungen, die wir als störend empfinden, sofort zu beenden. Eine Heilung findet damit aber noch lange nicht statt. Denn durch das Stresshormon Kortisol wird der Stressstoffwechsel erst ausgelöst!

Damit ist nicht gesagt, dass Kortison nicht seine Nützlichkeit hat. Wenn es um das Überleben des Menschen geht, zahlt man doch gerne für eine gewisse Zeit den Preis, den einen das Kortison abverlangt. Doch sinnigerweise kann diese Notfallmaßnahme nicht längerfristig vom Körper ohne Schäden am Gesamtsystem toleriert werden. Demineralisierungen und besonders katabole Prozesse (Raubbau am eiweißhaltigen Gewebe) finden unweigerlich statt (es sei denn, Kortison wird in Minimaldosen im Hinblick auf eine erschöpfte Nebenniere substituiert). Haut, Haare, Bindegewebe werden schwach. Die Schilddrüsenleistung lässt nach. Die Geschlechtshormone verschieben sich. Psychisch merkt der Mensch nichts mehr- bis die Nebennieren vor lauter äußerer Kortisonanwendung nicht mehr genügend eigenes Kortisol herstellen können und erschöpft sind.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Kortison:

  • per Definiton nicht heilen kann
  • den Stressstoffwechsel auslöst
  • unweigerlich zu katabolen Prozessen führt
  • eine Notfallmaßnahme sein sollte

Damit können auch Menschen, die größere (pharmakologische Mengen) Kortison einnehmen nicht wirklich wieder in die hormonelle Balance kommen. Sie erhalten sich einerseits den Stressstoffwechsel und schwächen die Produktion des körpereigenen Kortisols, was ja in kleinen Mengen seinen guten Platz in der Gesundheit des Menschen hat.

Ähnliches gilt für Menschen, die ein so stressiges Leben führen, dass ihre Nebennieren ständig zu hohe Mengen an Kortisol ausschütten.

Diese Menschen werden entweder über längere Zeit nicht krank oder eben nur im Urlaub (wo der Kortisolpegel nach ca. 1 Woche sinkt). Nach einer Woche Ruhe stellt sich bei den grundsätzlich „kortisolüberschüssigen“ auch oft eine bleierne Müdigkeit ein. Viele werden depressiv. Hautausschläge und andere Infektionen können sich zeigen.

Quelle Titelbild: NEUROtiker – Eigenes Werk, Gemeinfrei, Wikipedia