Heilungsgesetze der Naturheilkunde: Der Körper hat seine eigene Intelligenz

Bei einer ganzheitlichen Behandlung geht es darum die Gesetze des Körpers zu verstehen und nach ihnen zu handeln. Es geht nicht darum Mittel und Wege zu finden diese Gesetze zu brechen. Das hat noch nie funktioniert und wird auch in Zukunft nicht funktionieren (mehr dazu hier).

Das oberste Heilgesetz in der Naturheilkunde ist, dass der Körper grundsätzlich dazu in der Lage ist sich selber zu heilen. Sobald alle Heilungshindernisse beseitigt sind, heilt der Körper sich selber (mehr dazu hier).

Da wir aber nicht im Paradies leben, hat der Körper gelernt sich einer feindlichen Umwelt anzupassen. Jede Bedrohung der körperlichen oder psychischen Integrität (Stressoren) führt dazu, dass der Körper das Überleben an erste Stelle stellt.

Auf hormoneller Ebene ist dies die Umstellung von dem Schilddrüsenstoffwechsel in den Stressstoffwechsel, der von den Nebennieren regiert wird. Da Energiekonservierung ein wichtiger Eckpfeiler dieser Überlebensstrategie ist, regulieren sich die Geschlechtshormone Richtung Unfruchtbarkeit, da Fortpflanzung für Mutter, Kind und Gesellschaft mit einem hohen Energieaufwand verbunden sind.

Damit ist das Überlebensprinzip der größte Gegenspieler des Selbstheilungsgesetzes. Jede Bewegung von der Gesundheit zur Krankheit kann durch das Wechselspiel dieser beiden Prinzipien erklärt werden, selbst wenn manche Störungen zunächst einmal nichts mit dem Überleben zu tun zu haben scheinen.

Beispiel:

Ein Mensch verletzt sich am Fuß und nimmt fortan eine Schonhaltung ein. Die Schonhaltung führt dazu, dass der Mensch trotz Verletzung weiter laufen kann. Denn ein bewegungsunfähiger Mensch ist (zumindest evolutionsbedingt) zum Sterben verurteilt, weil er weder fliehen noch angreifen kann.

Beispiel:

Ein Mensch hat Migräne. Diese wird durch einen Überschuss an Kupfer im System verursacht. Dieses Kupfer wurde verstärkt im Körper zurück gehalten, weil der Mensch für lange Zeit eine Östrogendominanz hatte und sich mangelhaft mit Zink, dem Gegenspieler von Kupfer, ernährt hat. Die Östrogendominanz ist eine Reaktion auf den Stressstoffwechsel, der sich im Wesentlichen durch die Mangelernährung bedroht gesehen hat.

Beispiel:

Ein Mensch trinkt um zu vergessen. Das begann mit 14 Jahren als der Vater starb und die Mutter sich um den jungen Menschen nicht mehr kümmerte. Der psychische Schmerz war damals so groß, dass der junge Mensch lieber Raubbau am Körper durch Alkoholmißbrauch betrieb als den Schmerz zu ertragen. Denn dieser wurde innerlich so stark empfunden, dass der Mensch letztendlich Angst hatte daran zu sterben.

Hiermit wird klar, dass Stress auch entsteht, wenn der Mensch nur davon ausgeht, dass seine Gesundheit oder sein Leben bedroht sind. Dieser Mechanismus wird heutzutage von der Neurobiologie als Trauma anerkannt. Traumata erzeugen auch lange nach dem auslösenden Ereignis eine post-traumatische Stressbelastung.

Auf körperlicher Ebene kann Ähnliches passieren. Ein Mensch, der lange mit einer verletzungsbedingten Schonhaltung unterwegs war, wird nicht automatisch nach dem Abheilen der Verletzung wieder eine normale Haltung einnehmen. Der Körper hat das bedrohliche Ereignis gespeichert.

Damit bestehen Heilungshindernisse entweder aus einem aktuellen Stressor oder aus einer vom Körper aufrecht erhaltenen Reaktion auf einen vergangenen Stressor.

Damit sind aus der Sicht der Naturheilkunde alle Störungen der Selbstheilungskraft, ob psychisch, körperlich oder mental ein Versuch des Gesamtorganismus mit Stress bestmöglich umzugehen. Bestmöglich in dem Sinne, als dass der Körper versucht zu überleben. Gesundheit stellt sich automatisch ein, sobald der Körper verstanden hat, dass er nicht mehr überleben muss. Sei es, weil es tatsächlich eine Bedrohung des Lebens gab, die nun beseitigt wurde, sei es weil der Körper ein Trauma aufgelöst hat und das System versteht, dass es nicht mehr auf ein vergangenes Ereignis reagieren muss.

Durch die Erfahrungsheilkunde haben sich durch Beobachtung einige feste Regeln herauskristalisiert, die anzeigen, ob der Körper sich Richtung Stress (Krankheit) oder Richtung Gesundheit orientiert:

  1. Heilung geschieht von innen nach außen
  2. Heilung geschieht von oben nach unten
  3. Heilung kann mit Heilungskrisen einhergehen

Auch die von der Naturheilkunde formulierten Heilungsgesetze können in das Spannungsfeld zwischen Selbstheilung und Überleben eingeordnet werden. Demnach heilt der Körper immer das zuerst, was zum Überleben am wichtigsten ist. Das, was für das Überleben am unwichtigsten ist, heilt der Körper als letztes.

Beim ersten Heilungsgesetz geschieht die Heilung von innen nach außen. Das bedeutet, dass zunächst die Psyche, dann die inneren Organe, dann das Weichteilgewebe, dann die Schleimhäute und zuletzt die Haut geheilt werden. Denn an Hautproblemen ist noch keiner gestorben. Irrsinn hingegen macht einen handlungsunfähig, ein Herzinfarkt auch.

Konsequenzen des ersten Heilgesetzes für den Patienten:

Solange der Patient noch Hauterscheinungen hat, kann er noch irgendwie entgiften. Das bedeutet nicht, dass man Hauterscheinungen grundsätzlich hinnehmen sollte. Aber sie sind ein Zeichen, dass der Körper über die inneren Organe wie Leber, Niere etc. sowie über die Schleimhäute nicht entgiften kann. Es bedeutet auch, und dass ist für die meisten Patienten schwer zu ertragen, dass jede Unterdrückung von Hautausschlägen den Körper in einen größeren inneren Stress bringt. Denn eine Unterdrückung von Symptomen ist durchaus möglich und in der konventionellen Medizin äußerst üblich (durch Zinksalben, Kortison etc.). Das bedeutet, dass ein Therapieren von Hautausschlägen durch äußere unterdrückende Maßnahmen aus Sicht der Naturheilkunde nicht sinnvoll ist.

Beim zweiten Heilungsgesetz geschieht die Heilung von oben nach unten. Denn der Kopf als Bewusstseinsorgan des Organismus ist für das Überleben wichtiger als die Füße. Denn wenn man bewusstlos ist, helfen einem auch gesunde Füße nicht mehr.

Konsequenzen des zweiten Heilgesetzes für den Patienten:

Patienten kommen oft mit einer konkreten Beschwerde zu einem Therapeuten und wünschen sich diese Beschwerde zu behandeln. Doch nicht immer ist es möglich Beschwerden bewusst anzusteuern. Denn in der naturheilkundlichen Behandlung wird der Mensch als Ganzes behandelt. Und natürlich wird der Therapeut sich bemühen das Symptom als Hilferuf des Körpers zu verstehen und dementsprechend versuchen darauf zu reagieren. Doch manchmal hat die Körperintelligenz andere Vorstellungen. Kommt also ein Patient mit Kopfschmerzen, Fußschmerzen und Durchfall, wobei die Fußschmerzen ihn am meisten stören, kann es sein, dass die Kopfschmerzen zuerst verschwinden, dann der Durchfall und dann erst die Fußschmerzen.

Das dritte Heilgesetz besagt, dass es vor einer Heilung zu einer Heilkrise kommen kann. Heilkrisen können einerseits bedeuten, dass vorhandene Symptome verstärkt werden. Andererseits aber auch, dass Unwohlsein auftaucht, welches vorher nicht da war. Verschiedene Faktoren führen zu dem Phänomen der Heilkrise. Eine Verstärkung der bereits vorhandenen Symptomatik kann damit erklärt werden, dass ein schneller Abbau von Rezeptoren, z.B. bei Adrenalinüberschuss (welches z.B. Herzklopfen oder Kopfschmerzen am Hinterkopf hervorrufen kann) zu einer vorübergehenden Verstärkung des Empfindens führt, weil die übrig gebliebenen Rezeptoren auf das Restadrenalin hypersensibel reagieren. Kommt es zu anderen Symptomen, die mit Unwohlsein zu tun haben, handelt es sich wahrscheinlich um eine zu schnelle Entgiftung des Systems. Leber, Nieren etc. kommen nicht hinterher und es kommt zu Vergiftungserscheinungen. Generell kann gesagt werden, dass jede Steigerung der Energie des Körpers die Selbstheilungskraft anregt. Sobald diese angeregt ist, wird der Körper anfangen sich zu reinigen. Das gilt auch, wenn pathogene Keime zu schnell absterben und Toxine frei setzen (sogenannte Herxheimer Reaktion). Auch psychische Symptome können auftreten, z.B. Ängste. Denn der Patient fühlt durch eine Steigerung der Energie wieder. Nicht immer ist das, was dann gefühlt wird, angenehm. Die Senkung der Energie im Körper kann bereits eine Überlebensstrategie gewesen sein um nicht zu fühlen.

Konsequenzen des dritten Heilgesetzes für den Patienten:

Durch Heilungskrisen werden viele, eigentlich sinnvolle und erfolgreiche Therapien, vorzeitig abgebrochen. Ein erfahrener Therapeut wird in einigen Fällen mit der Therapie bewusst voranschreiten, damit der Patient Zeit hat hinterher zu kommen. Doch Heilungskrisen sind nicht immer vermeidbar. Gerade bei einer Entgiftung des Körpers sind Zeiten des Unwohlseins fast unvermeidlich. Typische Erscheinungen bei Heilkrisen können sein: Hautausschläge, Durchfall, Kopfschmerzen, grippeähnliche Schmerzen, Übelkeit, Gewichtszunahme, Gewichtsabnahme, Schwellungen u.a.. Daher spielt die Stärkung der Entgiftungsorgane in der Naturheilkunde eine so große Rolle. Das Gute an Heilungskrisen ist, dass sie recht bald von selber wieder vergehen und mit einer Unterstützung der Ausscheidungsorgane von noch kürzerer Dauer sind und wesentlich milder ausfallen.

Für viele Patienten ist die Akzeptanz der Heilungsgesetze dann besonders schwer, wenn es um ihr Aussehen geht. Das ist verständlich. Doch gerade das Aussehen ist für das Überleben das am wenigsten wichtige. Haut, Haare, Nägel, Bindegewebe, Fettgewebe etc. dienen dem Körper entweder als Nährstoffdepot oder als Müllhalde. Das Aussehen ist damit einerseits ein wunderbarer Gradmesser für die inneren Organe. Sind diese mit Nährstoffen versorgt, wird der Körper von alleine die weniger wichtigen oberflächlichen Gewebe regenerieren. Hier bestätigt sich der Spruch, dass wahre Schönheit von innen kommt. Und tatsächlich sind alle Dinge, die wir optisch als schön empfinden, ein Hinweis auf innere Gesundheit, sehr oft sogar auf die Fortpflanzungsfähigkeit des Betreffenden. Ist die Brust prall und glänzt das Haar, kann man davon ausgehen, dass genügend Ressourcen da sind um ein Kind auszutragen.

Ganz generell lässt sich also sagen, dass Heilung ihren eigenen Regeln folgt. Nicht der Patient entscheidet was zuerst geheilt wird, sondern die Natur.

Oft ist es auch so, dass ein Symptom manchmal genauso lange braucht um zu verschwinden wie es gekommen ist. Denn die eigentliche Ursache eines Symptoms liegt in der Regel länger zurück als dessen Auftreten, von Unfällen einmal abgesehen.

Das bedeutet auch, dass eine Maßnahme, die gegen ein bestimmtes Symptom gerichtet war, manchmal nur scheinbar nichts bringt. Dabei war sie als Vorbereitung für eine andere Maßnahme äußerst wichtig. Gerade Ausleitungstherapien müssen manchmal vorbereitet werden, indem der Patient zunächst einmal mit Nährstoffen aufgefüllt wird.