Hochsensibilität wirklich behandeln

Modediagnose Hochsensibilität

Hochsensibilität kann behandelt werden. Hypersensibilität ist weder Schicksalsdiagnose, noch bezeichnet sie einen Persönlichkeitstypus.

Viele hochsensible Menschen bleiben auf ihren Symptomen „sitzen“ weil nicht erkannt wird, dass es sich bei der Hochsensibilität um eine Kombination aus hormonellen, psychischen und nervlichen Störungen handelt.

Die Diagnose „Hochsensibilität“ führt demnach häufig dazu, dass diese Störung nicht wirklich behandelt wird. Stattdessen sollen Hochsensible den Zustand „annehmen“ und mit ihm „leben“.

Bei der echten Behandlung der Hochsensibilität beseitigt man die Ursachen dieser Störungen und leitet die Betroffenen nicht nur dazu an Symptome zu „managen“.

Sensibilität und Hochsensibilität – wann besteht eine Erkrankung?

Sensibilität ist eine Eigenschaft menschlichen Daseins. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sensible Menschen für ihre Umwelt empfänglich sind. Positiv gesehen zeichnen sich sensible Menschen durch Empathie und Einfühlungsvermögen aus. Negativ gesehen können sensible Menschen sowohl auf die Gefühle ihrer Mitmenschen als auch auf Umweltreize stärker reagieren als ihre Mitmenschen.

Damit ist für sensible Menschen typisch:

  • Aktivität und Ruhe müssen sich stärker abwechseln als bei unsensibleren Menschen
  • Die Kommunikation mit der Umwelt erfolgt gefühlsbasiert. Intuition und Empathie stehen im Vordergrund.
  • Der Austausch mit den Mitmenschen hinterlässt bei sensiblen Menschen einen stärkeren Eindruck als bei unsensiblen Menschen.
  • Die Person hat weniger Freunde, dafür aber tiefere Freundschaften.
  • Es besteht ein verstärkter Hang zu intimen Beziehungen (Begegnung 1 zu 1), man ist eher kein Gruppenmensch.
  • Es besteht häufig eine Neigung zum Schöngeistigen, Kunst, Musik etc.
  • Generell wird ein eher „ruhiges“ Leben geführt.

Sensibilität bedeutet nicht:

  • Dass Menschenmengen nicht ertragen werden.
  • Dass man chronisch erschöpft ist.
  • Dass Licht und Lärm regelrecht zur „Qual“ werden.
  • Dass man am sozialen Leben nicht mehr teilnehmen kann, z.B. nach einem Konzert völlig fertig und überreizt ist.
  • Dass man anfängt soziale Kontakte zu meiden, weil einem „alles zu viel“ wird.
  • Dass man überempfindlich auf Duftstoffe, Dämpfe, Lebensmittel, Zusatzstoffe reagiert sowie auf Elektrosmog.
  • Dass man mit seinen Mitmenschen regelmäßig so „verschmilzt“, dass man sich von den Gefühlen der Mitmenschen nicht mehr abgrenzen kann.
  • Dass man ständig einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt ist, dem man sich nur schwer entziehen kann.
  • Dass man nur durch absolute „Langsamkeit“ noch in der Lage ist seine Aufgaben zu bewältigen.
  • Dass man nicht mehr in der Lage ist partnerschaftliche Beziehungen und Sexualität zu leben.
  • Dass man so „harmoniesüchtig“ ist, dass man übergriffiges Verhalten anderer nicht mehr abwehren kann.
  • Dass man Schwierigkeiten hat Ärger und Wut zum Ausdruck zu bringen, gar „Angst“ vor Aggression hat.

Die wahren Ursachen der Hochsensibilität

Hochsensibilität setzt sich in der Regel aus in sich verwobenen Störungen des Hormonsystems, des Stoffwechsels, des Nervensystems und sekundären psychischen Störungen zusammen.

Hormonelle Ursachen:

  • Die gewichtigste hormonelle Störung bei der Hochsensibilität ist die Nebennierenschwäche oder Nebennierenerschöpfung. Die Kortisolwerte können dabei sowohl hoch als auch niedrig sein. Das Adrenalin sorgt für unmittelbare Stressreaktionen wie Herzrasen, vegetativen Symptomen wie schnellem Schwitzen etc. Erschöpfung und das Gefühl Reizen ohne „Filter“ ausgesetzt zu sein sind die Folge.
  • Als Folge der Nebennierenschwäche oder Nebennierenerschöpfung ergeben sich Störungen der Schilddrüse, meist eine Schilddrüsenunterfunktion. Erschöpfung ist auch hier die Folge.

Ursachen auf der Ebene des Stoffwechsels:

  • Blutzuckerschwankungen und Unterzuckerung führen zu Erschöpfung, wechselhaften Stimmungen und einer weiteren Belastung der Nebennieren.
  • Mitochondriopathien führen zu einem Energiemangel auf Zellebene, der ebenfalls zur Erschöpfung führt.
  • Eine Verlangsamung der Entgiftungsfunktion von Leber und Nieren u.a. führen zu Symptomen, die teilweise denen einer multiplen Chemikalienunverträglichkeit gleichen. Der Betroffene reagiert sensibel auf Duftstoffe, Dämpfe eveuntuell auch Nahrungsmittel.
  • In vielen Fällen sorgen unerkannte Infektionen für eine Überlastung des Immunsystems, wodurch die Nebennieren sich schnell erschöpfen.

Ursachen auf der Ebene des Nervensystems:

  • Traumastrukturen bilden zunächst eine Aktivierung des sogenannten Sympathikus-Nervensystems aus. In dieser Phase ist der Betroffene nervlich hoch sensibel und schnell überreizt. Dieser Mechanismus ist auch beim post-traumatischen-Stress-Syndrom aktiv, z.B. bei Menschen aus Kriegsgebieten oder heimkehrenden Soldaten. Erst in späteren Phasen macht sich das Nervensystem gegen die ständige Überreizung „taub“ und der Betroffene rutscht in eine Apathie. Traumata werden nicht immer durch Unfälle etc, ausgelöst, sondern manchmal auch durch die Art wie ein Mensch aufgewachsen ist. Gerade sensible Menschen sind für Traumatisierungen in ihrer Entwicklung besonders anfällig.
  • Persistierende frühkindliche Reflexe (unreifes Nervensystem) sorgen für eine niedrigere Belastungsschwelle des Nervensystems als bei Menschen mit einem ausgereiften Nervensystem. Der Betroffene muss zudem mit dem Gehirn mittels „Rechenleistung“ ermitteln, was anderen Menschen reflexartig gelingt. Dadurch müssen die Betroffenen selbst in völliger Ruhe teilweise 30% mehr Energie aufbringen als ihre Mitbürger. Persistierende frühkindliche Reflexe machen das Nervensystem insgesamt hypersensibel. Es kommt zur Überreizung durch körperlichen Kontakt, Menschenmengen, Licht, Lärm u.a.

Ursachen auf der Ebene der Psyche:

  • Vorwegnehmender Rückzug aus Kontakten weil weniger sensible Menschen meist kein Verständnis für die Bedürfnisse und Empfindungen sensibler Menschen haben. Das kann auch gerade für die Eltern und Familienangehörigen gelten.
  • Mangelnde Auflösung der frühkindlichen Symbiose mit den Eltern. Die Betroffenen bleiben gefühlsmäßig mit ihren Eltern verbandelt und erleben so unbewusst und ständig die Ablehnung ihrer Sensibilität erneut.
  • Sensible Menschen haben oft während der Kindheit gelernt oder zumindest erhofft, dass ihre eigenen Bedürfnisse besser erfüllt werden, wenn sie die Leiden ihrer Familie auf sich nehmen. Dadurch entsteht eine Tendenz mit dem Gegenüber grundsätzlich zu verschmelzen, eine Abgrenzung von negativen und fremden Gefühlen findet nicht mehr statt.
  • Sensible Menschen haben oft eine niedrige Schmerzgrenze. Dadurch (und durch eine instinktfeindliche Familiensituation) können Probleme mit dem Erkennen und Ausdrücken von Aggression bestehen. Zurückgehaltene (unbewusste) Aggressionen führen zu großer Erschöpfung (weil sich die Aggression irgendwann gegen einen selber richtet).
  • Sekundärer Krankheitsgewinn: es gilt heutzutage schon fast als „chic“ hochsensibel zu sein. Dahinter verbirgt sich manchmal die Angst sich den eigentlichen Problemen zu stellen. Man bekommt unter Umständen auch endlich die Aufmerksamkeit die man als Kind nie hatte.

Als wesentliches Merkmal von Hochsensibilität wird immer wieder aufgeführt, dass den Hochsensiblen ein „Filter“ für ihre Umwelt fehle. Dabei entspricht das „filtern“ von Umweltreizen der eigentlichen Aufgabe der Nebenniere. Gründe für eine ungewöhnliche und pathologische Empfindlichkeit des Nervensystems sind neurobiologisch hinreichend erschlossen. Damit sollte klar sein, dass Hochsensibilität eine pathologische Störung ist, die behandelt werden kann und auch sollte.