Nahrungsmittelintoleranzen und Hormone

Nahrungsmittelintoleranzen wie Laktoseintoleranz, Glutenintoleranz und Fruktoseintoleranz u.a. haben einen wesentlichen Bezug zu den Hormonen. Dabei ist es einerseits so, dass Probleme mit den Hormonen die Nahrungsmittelintoleranzen aufrecht erhalten, die Nahrungsmittelintoleranzen sich aber gleichzeitig auf die Hormone negativ auswirken.

Dabei ist wenig bekannt, dass eine Schilddrüsenunterfunktion fast zwangsläufig mit einer Nahrungsmittelintoleranz von Gluten und Laktose einher geht. Bei einem intakten Hormonsystem ist die Verdauungsleistung des Körpers optimal. Ist der Körper jedoch im Stressmodus, wird die Verdauung für den Körper zur Nebensache. Schließlich ist das Thema „Verdauung“ für den Körper nicht überlebenswichtig.

Dies setzt aber eine Kette von Ereignissen in Gang, die zu vielfältigen Verdauungsproblemen wie Nahrungsmittelintoleranzen führen kann. Durch die verminderte Aufnahme von Nährstoffen und eine verminderte Entgiftungsleistung von Darm und Leber müssen dann die Hormone wieder leiden. Der Einfluss der Hormone auf die Verdauung fängt schon mit dem Speichel an. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion verändert sich der PH-Wert des Speichels hin zu einem sauren Milieu. Das hat Auswirkungen auf die Enzymaktivität der Amylase, denn die Verdauung von Kohlenhydraten/Zucker fängt bereits im Mund an. Gleichzeitig wird durch das saurere Milieu im Mund die Aktivität von Bakterien gefördert, was zu Karies führen kann.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion verändert sich auch die Konzentration der Magensäure zu einem eher basischen Milieu hin. Das führt einerseits dazu, dass Keime nicht ausreichend abgetötet werden können (wodurch sich Infektion wie H.Pilory ausbreiten können), andererseits aber auch zu einer weniger effektiven Denaturierung des Essens. Noch tragischer ist, dass der Dünndarm unbedingt auf die Säure des Nahrungsbreis angewiesen ist. Denn erst das aufeinandertreffen des sauren Speisebreis mit dem basischen Inhalt des Dünndarms gibt der Bauchspeicheldrüse den Befehl Verdauungsenzyme auszuschütten, die dann Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette aufschließen und zur Resorption bereit stellen.

Auch Menschen mit Sodbrennen können unter dieser Fehlfunktion leiden, da oft nicht ein „Zuviel“ an Magensäure zu Sodbrennen führt, sondern manchmal sogar ein „Zuwenig“ (wodurch sich der obere Schließmuskel des Magens öffnet). In anderen Fällen versucht der Körper eine mangelhafte Produktion von Verdauungsenzymen mit vermehrter Produktion von Magensäure zu kompensieren, da auch die Produktion von Enzymen selber bei einer Schilddrüsenunterfunktion leidet. Mangelhaft verdaute Speisen sorgen dann aber im Darm für Fäulnis- und Gärungsprozesse.

Dies verändert nicht nur die Darmflora negativ. Es werden vermehrt Gifte freigesetzt, die nun ins Blut gelangen und von der Leber und den Nieren wieder entsorgt werden müssen. Die Leberleistung ist jedoch durch den Hormonmangel bereits eingeschränkt. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sorgt nun auch noch eine Östrogendominanz dafür, dass die Leber nicht richtig arbeiten kann. Zu den typischen Zeichen einer Östrogendominanz gehören Blähungen und Durchfälle (hier besteht ein Zusammenhang zum Serotonin, was auch noch zu ungünstigen Verkettungen mit Fruktose führen kann).

Die unverdauten Nahrungsrückstände können nun zu einem „Leaky Gut“ (brüchigen Darm) führen. Dieser ist u.a. auf eine Autoimmunreaktion des Körpers zurück zu führen, der die nun toxisch gewordenen unverdauten Nahrungsanteile als Angriff auf das Immunsystem begreift. Auf diese Weise kann Kasein (Milchprotein) zu opiod-artigen Wirkungen führen, Kohlenhydrate können zu Alkohol vergären. Dies verstärkt nun die Autoimmunreaktion noch weiter. Dadurch werden noch mehr Stresshormone ausgeschüttet und die Schilddrüse kann sich nicht mehr erholen.

Die Östrogendominanz wird durch Entzündungsprozesse ebenfalls erhalten, da Östrogen eine Affinität zu entzündetem Gewebe hat. Die Motilität des Darmes wird ebenfalls von einer Schilddrüsenunterfunktion sowie von einer Östrogendominanz beeinflusst. Dies kann einerseits zu Verstopfung führen, was die Selbstvergiftung weiter fördert oder zu Durchfall, wodurch wichtige Nährstoffe durch die kurze Passage im Darm nicht richtig aufgenommen werden können. Die Autoimmunkörper, die zu einem Leaky Gut führen, können aber auch gleichzeitig dafür sorgen, dass nun auch die Schilddrüse von Antikörpern angegriffen wird, wodurch eine Hashimoto Thyreoiditis entsteht.

Bei der Therapie ist wichtig, dass nicht nur der Darm saniert wird, sondern das ganze System mit betrachtet wird. Dazu gehört auch eine Balance der Hormone. Vielfach gehen Betroffene davon aus, dass sie für immer auf bestimmte Nahrungsmittel wie Gluten, Laktose und Fruktose verzichten müssen. Das muss aber überhaupt nicht der Fall sein!

Gleichzeitig muss den Betroffenen klar sein, dass die Behandlung von Hormonproblemen, die mit Nahrungsmittelintoleranzen gekoppelt sind, ein komplexes Thema sind. Dies verlangt von Seiten der Patienten Geduld und vor allem die Bereitschaft sich mit den Thema hinter der Nahrungsmittelintoleranz zu beschäftigen. Denn ein fortschreitendes Abstoßen von Nahrungsmitteln seitens des Körpers findet sich in der Regel im emotionalen Empfinden wieder. Themen wie Verbot am Genuss und ein Mangel an positiven Gefühlen, bzw. die Verdrängung alter negativer Gefühle in den Darm haben häufig mit dem Auftreten von Nahrungsmittelintoleranzen zu tun. Werden diese Themen neben einer körperlichen Behandlung und Balance des Hormonsystems bearbeitet, können Nahrungsmittelintoleranzen sehr oft überwunden werden.

In einigen Fällen muss das Immunsystem zusätzlich zu einer Balance des Stoffwechsels und des Hormonsystems gesondert unterstützt werden. Näheres dazu finden Sie hier.