Schilddrüsenüberfunktion oder Adrenalinüberschuss?

Eine Schilddrüsenüberfunktion und ein Adrenalinüberschuss können sehr einfach miteinander verwechselt werden. Dabei sind lange anhaltende Schilddrüsenüberfunktionen sehr selten, es sei denn sie sind medikamentös induziert.

Identische Symptome

Von den Symptomen her wirken beide Zustände zunächst identisch. Sowohl bei der Schilddrüsenüberfunktion als auch beim Adrenalinüberschuss können folgende Symptome auftreten:

  • Ruhelosigkeit
  • Nervosität, Überforderung
  • Abmagerung
  • Schlafstörungen
  • Herzklopfen
  • Erhöhte Schweißneigung

Unterscheidung

Wie kann man also beide Zustände voneinander unterscheiden? Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Sie eine Schilddrüsenüberfunktion haben, wenn folgende Symptome zusätzlich zu den oben genannten Zeichen auftreten:

  • Kälte des Körpers, frieren
  • Kälte der Hände, Füße, Nasenspitze
  • Übergewicht, bzw. Schwierigkeiten Gewicht zu verlieren
  • Anfallsartiges Auftreten der obigen Symptome: Panik, Herzenge, Beschwerden treten morgens nach dem Aufwachen oder in der Nacht auf
  • Erschöpfung trotz Ruhelosigkeit
  • Symptome bessern sich kurzzeitig durch hohe sportliche Belastung oder das Essen von Zucker/großen Kohlehydratmengen
  • Körperuntertemperatur unter 37 Grad
  • Konzentrationsmangel

Fehlgeleitete Behandlungsansätze

In solchen oben beschriebenen Symptomlagen werden Patienten oft Beta Blocker verschrieben. Was sind Beta Blocker? Nichts anderes als Blocker für Adrenalinrezeptoren! Damit ist das Adrenalin zwar noch im Blut, die Beta-Rezeptoren für Adrenalin am Herzen werden jedoch blockiert. Damit erledigt sich oft das Herzrasen in Verbindung mit Brustenge. Das Grundproblem ist jedoch nicht beseitigt.  Die Frage muss sein, warum der Körper soviel Adrenalin ausschüttet. Die einfache Antwort darauf wäre: Stress. Dieser kann sicherlich von äußerlich induzierten Faktoren herrühren (Kummer, zu wenig Schlaf etc.). Sehr häufig ist eine hohe Adrenalinausschüttung jedoch die Kompensierung einer verminderten Schilddrüsenfunktion. Dies erklärt, warum Patienten mit den obigen Symptomen auch oft nicht abnehmen (wobei auch Untergewicht eine Unterfunktion der Schilddrüse keinesfalls ausschließt. Hier überwiegt nur das Adrenalin, was in hohem Maße Fett verbrennt). Nicht jedem Patienten mit einer Unterfunktion ist dabei notwendigerweise kalt. Auch bei empfundener Wärme ist jedoch in der Regel die orale Temperatur reduziert. Dies hängt mit einer kompensatorischen Cortisolausschüttung zusammen. Dadurch werden Eiweiße vermehrt verbrannt, um Energie zu gewinnen. Dies erzeugt den Eindruck von Wärme. Ein weiterer Aspekt der obigen Verwirrung ist, dass Schilddrüsenhormone die Empfindlichkeit für alle Hormone im Körper erhöht. Eine Adrenalinbelastung wird dadurch umso heftiger empfunden. Das hat aber nichts mit einer Schilddrüsenüberfunktion zu tun. Handelt es sich bei der Adrenalinbelastung um eine rein physiologische Antwort auf eine Unterfunktion, relativiert sich diese nach einigen Tagen, wenn Schilddrüsenhormone erst kürzlich eingenommen werden. Tritt eine solche Belastung im Laufe der Behandlung auf, muss abgeklärt werden, woher die plötzliche Belastung kommt. Ein häufiger Grund ist der Lichtmangel im Winter. Dadurch wird die Schilddrüsenfunktion gedrosselt und der Körper schüttet mehr Adrenalin und Cortisol (Winterspeck, Winterdepression bis sie von den Frühlingsgefühlen abgelöst werden) aus.

Erhöhte Schilddrüsenwerte

Bei der Schilddrüsentestung zeigen sich in den Werten oft erhöhte Werte des FT4 und FT3, beides Schilddrüsenhormone. Gleichzeitig zeigt sich ein TSH Wert von unter 0,5. Interessanterweise kommen solche Testergebnisse häufig im Zusammenhang mit einer Hashimoto Thyreoiditis oder einem Morbus Basedow auf. Beide Krankheitsbilder landen bekanntermaßen nach einiger Zeit in dem Bild der Schilddrüsenunterfunktion. Damit kann man also sagen, dass der Körper verzweifelt versucht mit einer kurzzeitigen Überfunktion das Abrutschen in die Unterfunktion zu verhindern. Gleichzeitig muss berücksichtig werden, dass die Ausschüttung von Hormonen über den Tag verteilt nicht gleichmäßig erfolgt. Es kann also gut sein, dass man mit der Blutmessung gerade eine “Spitze” erwischt hat und die Messung in einer Stunde bereits andere Ergebnisse liefern würde. Das persönliche Befinden in dieser kurzzeitigen “Überfunktionsphase” kann gut oder schlecht sein. Innerhalb von Wochen bis spätestens Monaten kippt es jedoch hin zu dem typischen Zustand der Unterfunktion: Müdigkeit, Gewichtszunahme u.a.. Hinzu kommen dann öfters noch die oben genannten Symptome des Adrenalinüberschusses. Leider wird Patienten, auch wenn Sie bereits deutliche Anzeichen einer Unterfunktion zeigen, immer noch geraten die Schilddrüse entfernen zu lassen, was natürlich das Problem nicht beseitigt, sondern, im Gegenteil, verschlimmert. Eine lebenslange und lebenswichtige Abhängigkeit von Schilddrüsenhormonen ist die Folge (mehr zur Hashimoto Thyreoiditis und zum Morbus Basedow hier).

 

Leichte Überfunktion der Schilddrüse- ein physiologischer Zustand?

Die Funktion der Schilddrüse sollte nicht bis ins unermessliche gesteigert werden, da wir nicht in der Lage wären unseren erhöhten Nährstoffbedarf zu decken. Wir würden “ausbrennen”. Aus diesem Grunde fährt sich die Schilddrüse in Zeiten von Stress, Winter und Hunger auch herunter. Es soll das Überleben gesichert werden-mehr nicht. Der Kolibri ist angeblich das Tier mit dem schnellsten Stoffwechsel. Darum muss er diesen in der Nacht herunter fahren. Er würde sonst verhungern. Andersherum haben die meisten Menschen einen Stoffwechsel, der weit entfernt ist von einer Überfunktion. Eine optimale, leicht erhöht funktionierende Schilddrüse ist dabei wohl eher der physiologische Zustand des Menschen. Auch wenn erstere Symptome zunächst “auf dem Papier” identisch aussehen wie der Adrenalinüberschuss, ist das Wohlbefinden dazu ein ganz anderes:

  • Ruhelosigkeit ist mehr Energieüberschuss. Man macht tausend Sachen, und hat dennoch einfach Freude noch zum Sport zu gehen.
  • Nervosität, Überforderung sind gerade nicht da. Man fühlt sich nicht getrieben. Eher kraftvoll und zentriert. Die Nervosität kommt erst bei einer starken Überfunktion wieder ins Spiel, weil die Rezeptoren für Adrenalin sehr sensibel sind.
  • Abmagerung findet nicht als solche statt. Sie werden aber viel mehr essen müssen, um ihren Grundumsatz zu unterhalten. Gleichzeitig verschieben sich aber die Körperproportionen hin zu mehr Muskeln und weniger Fett.
  • Schlafstörungen treten als solche nicht auf. Aber Sie brauchen möglicherweise viel weniger Schlaf und können daher nachts nicht gleich schlafen. Morgens sind Sie dann aber ausgeruht.
  • Herzklopfen wird nicht als unangenehm empfunden. Zwar ist der Puls möglicherweise auf 85 Schlägen pro Minute. Dies wird einfach als ein lebendiger Herzschlag empfunden.
  • Erhöhte Schweißneigung tritt bei körperlicher Anstrengung und Hitze auf. Dies ist physiologisch, wenn es auch manchmal in unseren heutigen Zeiten als unangenehm empfunden wird.
  • Sie fühlen sich einfach optimistisch, zentriert und stressresistent
  • Der Sexualtrieb ist hoch, jedoch nicht auf ständige Befriedigung fokussiert, u.a. weil die Qualität sich verbessert. Außerdem ist die sexuelle Energie auch für Kreativität und Inspiration zuständig, die sich in diesem Zustand ebenfalls verbessert
  • Der Körper ist angenehm warm, selbst Hände, Füße und Nasenspitze

Selbstverständlich sollten darüber hinausgehende Schilddrüsenüberfunktionen behandelt werden. Diese sind aber wirklich extrem selten, insbesondere dann, wenn sie nicht medikamentös induziert werden, wobei auch bei der Einnahme von Schilddrüsenhormonen, wie oben dargelegt, nicht vorschnell auf eine Überfunktion geschlossen werden sollte.

Mehr zu den Vorteilen einer intakten Schilddrüsenfunktion hier.

Mehr zu den Problemen und Zusammenhängen eines gestörten Hormonsystems hier.

Mehr zu den Symptomen eines Adrenalinüberschusses hier.