Die Schilddrüsenfunktion-bei fast jedem suboptimal!

Hormonelle Stoffwechselstörungen- ein verkanntes Problem! Broda Barnes, ein amerikanischer Endokrinologe und Professor, stellte in den 1940er Jahren entgegen der gängigen medizinischen Meinung fest, dass ca. 40% aller Amerikaner anstatt der angegebenen 5% unter einer Schilddrüsenunterfunktion litten.

Da die direkte Messung von Schilddrüsenhormonen im Blut erst seit 1968 möglich ist, entwickelte er seine eigene Messungsmethode, die er im Verbund mit spezifischen Symptomen bewertete. Laut Barnes war eine Körpertemperatur von unter 36,6° C  ein fast sicherer Indikator für eine Schilddrüsenunterfunktion. Ansonsten wurde ab den 30er Jahren die Schilddrüsenunterfunktion gerne auch durch den CO2 Gehalt des ausatmenden Patienten ermittelt. Denn es war damals schon bekannt, dass die Verbrennung von Glukose mehr CO2 produziert, als die Verbrennung von Fettsäuren. Wenn jedoch die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen sinkt, steigt automatisch die Ausschüttung des Stresshormones Adrenalin. Unter dem Einfluss von Adrenalin gewinnt der Körper dann seine Energie verstärkt aus Fettsäuren, wodurch der Gehalt von CO2 im Atem sinkt.

Das Hauptargument von Barnes war, dass im Grunde jede Erkrankung, vom Herzinfarkt über PMS zu Ekzemen, durch eine Schilddrüsenunterfunktion verschlimmert oder sogar hervorgerufen werden konnte. In jüngerer Zeit ergänzte Ray Peat, ein amerikanischer Biochemiker, Barnes Entdeckungen, indem er den Zusammenhang der Schilddrüsenhormone mit anderen Hormonen wie Adrenalin, Kortison, Östrogen, Insulin und insbesondere auch Progesteron weiter erforschte. Ray Peat entdeckte, dass eine Östrogendominanz, bzw. ein Progesteronmangel unmittelbar mit einer Schilddrüsenunterfunktion zusammenhänge. Dabei bewirkten sowohl eine Östrogendominanz, bzw. Progesteronmangel sowie eine Schilddrüsenunterfunktion eine Erhöhung der Stresshormone Adrenalin und Kortison. Er stellte zudem fest, dass eine solche Stoffwechsellage automatisch zur Störung des Glukosestoffwechsels führe, wodurch die Betroffenen auf Zellebene unterzuckerten und oft gleichzeitig unter einer Insulinresistenz litten. Ray Peat legte dabei den Fokus auf eine Störung des hormonellen Gleichgewichtes als solches, anstatt nur auf die Funktion der Schilddrüse.

Die Diagnose

Ray Peat argumentiert, dass das blinde Vertrauen auf die Schilddrüsenwerte in der Blutuntersuchung nicht zu einer eindeutigen Bestimmung der Schilddrüsenunterfunktion führten, sodass dadurch viele Menschen unerkannt meist unter einer Schilddrüsenunterfunktion litten.

TSH:

Der Normwert für TSH (Schilddrüsenstimulierendes Hormon) liegt bei Erwachsenen laut offizieller medizinischer Empfehlung bei 0,27-4,2 Mikro-IU/ml. Das Hormon TSH wird vom Hypophysenvorderlappen im Gehirn ausgeschüttet, um die Produktion des Schilddrüsenhormons zu stimulieren. Der Gedanke hinter der TSH Messung ist der, dass TSH vermehrt ausgeschüttet werde, sobald die Schilddrüse nicht mehr ausreichend Schilddrüsenhormone produziere. Somit indiziere ein hoher TSH Wert eine Schilddrüsenunterfunktion. Ray Peat hingegen argumentiert, dass die Messung des TSHs sehr ungenau, da das Toleranzspektrum viel zu groß sei. Er führt dieses weite Toleranzspektrum darauf zurück, dass zu dem Zeitpunkt, als die TSH Messung als Laborparameter eingeführt worden sei, bereits ein großer Anteil der Bevölkerung unerkannt an einer Schilddrüsenunterfunktion gelitten habe, sodass auch pathologische TSH Werte als noch im Normbereich betrachtet würden. Seiner Auffassung nach müsste der TSH Normwert bei unter 1.0 microIU/ml liegen. Ray Peat argumentiert weiter, dass das TSH selber Entzündungsreaktionen im Körper hervorrufen würde und möglicherweise auch für einige Schilddrüsenkrebserkrankungen zuständig sein könnte. Er legt dar, dass außer der Hypophyse auch andere Organe, wie z.B. die Leber, für eine mangelhafte Schilddrüsenunterfunktion verantwortlich seien. Es seien zudem Fälle bekannt, wo Menschen mit einer mangelhaft funktionierenden Hypophyse durch eine Unterstützung der Schilddrüse wieder eine normal funktionierende Schilddrüse bekämen, trotz andauernder Hypophysenunterfunktion. Des Weiteren würden auch Faktoren wie der Alterungsprozess, Infektionen, Verletzungen, andauernde Kortisonausschüttung, Dopamin, L-Dopamin, Adrenalin, Amphetamine, Fieber und selbst Koffein den TSH Wert senken, sodass es häufiger zu falschen negativen Messergebnissen kommen würde.

T3/T4 Messung

Ray Peat argumentiert, dass das Vorhandensein von T3 und T4, beides Schilddrüsenhormone, noch kein Indiz für die tatsächliche Verfügbarkeit dieser Hormone für den Körper darstellen würde, auch dann nicht, wenn man „freies“ (nicht an Transportproteine gebundenes) T4, und viel wichtiger, T3 messen würde. Schließlich würde auch unfreies T3 in die Zellen gelangen. Die viel wichtigere Frage sei die, ob und wie T4 und T3 verwertet würden.

Laktat (Milchsäure)

Dafür sei die Konzentration von Laktat im Blut ein besserer Indikator zur Feststellung einer Schilddrüsenunterfunktion. Laktat ist ein Produkt der anaerobischen glykolytischen Energiegewinnung, auf die der Körper erst dann zurückgreift, wenn die aerobische Energiegewinnung nicht mehr erfolgen kann. Die aerobische und im Vergleich zur anearobischen Energiegewinnung wesentlich effektivere Energiegewinnung kann nämlich nur bei ausreichend vorhandenen Schilddrüsenhormonen erfolgen.

Cholesterin

Auch die Erhöhung der Cholesterinwerte seien ein guter Indikator für eine Schilddrüsenunterfunktion. Ray Peat warnt in diesem Zusammenhang vor einer einfachen Senkung der Cholesterinwerte, da Cholesterin eine wichtige zellschützende Wirkung im Körper habe, wenn dieser unter Stress stehe (durch niedrige Schilddrüsenhormone, erhöhte Stresshormone/Östrogene).

Melatonin und Prolaktin

Prolaktin und Melatonin seien im gestressten Stoffwechsel immer erhöht, wobei eine Unterfunktion der Schilddrüse vom Organismus immer als Stress empfunden würde. Darum sei eine Messung dieser beiden Hormone ebenfalls ein guter Parameter für die Versorgung des Gewebes mit Schilddrüsenhormonen.

Östrogendominanz / Progesteronmangel

Eine Östrogendominanz hat laut Ray Peat eine unmittelbare Wechselwirkung auf die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen, indem u.a. die Leber durch übermäßig vorhandenes Östrogen vergiftet werde und so T4 nicht mehr in T3 umwandeln könne. Umgekehrt könne eine Leber, die nicht genügend T3 zur Verfügung habe, nicht mehr adäquat entgiften, wodurch sich die Stoffwechsellage verschlimmere.

Basale Temperatur

Die basale Temperatur sei ein einfacher und guter Indikator zur Ermittlung einer Schilddrüsenunterfunktion. Zwar könnten ein heißes Klima oder eine vermehrte Ausschüttung von Adrenalin sowie Entzündungen u.a. zu einer falsch negativen Messung führen, dennoch sei bei sehr vielen Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion eine Untertemperatur feststellbar. Auch die New York Times berichtete bereits, dass die eigentlich normale Körpertemperatur von 37° C beinahe bei keinem mehr gemessen werden könne. Es wird auch behauptet, dass die Körpertemperatur im Alter sinken würde. Ray Peat stimmt dem zu und behauptet, dass im Alter die Ausschüttung von Stresshormonen in der Regel zunehme, sodass auch die Schilddrüsenfunktion abnehme, bzw. die Verwertung der Schilddrüsenhormone.

Pulsstatus

Laut Ray Peat liegt ein gesunder Puls nicht, wie allgemein angenommen, bei 70 Schlägen pro Minute, sondern bei 85 Schlägen pro Minute. Schilddrüsenhormone haben auf das Herz eine beschleunigende Wirkung, da durch eine bessere Blutversorgung des Gewebes der Nähr- und Sauerstoffbedarf eines auf Hochtouren arbeitenden Stoffwechsels gedeckt werden könne. Es könne zwar durch die Vermehrte Ausschüttung von Adrenalin der Pulsstatus trotz einer Schilddrüsenunterfunktion erhöht sein, eine Pulsmessung unter Berücksichtigung anderer Faktoren wie Tageszeit, Hunger etc. (Stressreaktionen) könnten dennoch Aufschluss über den Status der Schilddrüsenhormone im Körper geben.

Symptomatik

Als letztes sollte man natürlich auch die klinische Symptomatik einer Schilddrüsenfunktion als Indikator einer solchen nicht unterschätzen. Eine Zusammenschau aller Indikatoren dürfte daher eine ziemlich sichere Schilddrüsendiagnostik erlauben.